Klimakrise – n i g r a https://nigra.noblogs.org anarchistisch / optimistisch / dunkelschwarz Fri, 03 Jul 2026 07:52:36 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://nigra.noblogs.org/files/2017/08/cropped-still-loving-linksunten-32x32.png Klimakrise – n i g r a https://nigra.noblogs.org 32 32 Vorwärts für Vielfalt: Das war der 3. CSD in Offenburg https://nigra.noblogs.org/post/2026/06/28/vorwaerts-fuer-vielfalt-das-war-der-3-csd-in-offenburg/ Sun, 28 Jun 2026 12:33:12 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=4000 Weiterlesen ]]>
Und immer dran denken: Stonewall was a riot!

Über 350 queere und verbündete Menschen gingen am gestrigen Samstag bei völlig irren Temperaturen unter dem Motto „Vorwärts für Vielfalt!“ für queere Befreiung auf die Straßen Offenburgs.

Im Vorfeld wurde der Demostart um eine Stunden nach hinten verlegt und die Route stark gekürzt. Die Klimakatastrophe macht auch vor dem Christopher Street Day nicht halt.
So trafen sich um 14 Uhr über 350 Menschen in all ihrer Vielfalt am ZOB in Offenburg. Das waren deutlich weniger als im letzten Jahr und optimistisch wie ich bin, gebe ich mal der Hitze die Schuld (also eigentlich dem völlig entfesselten fossilen, Tiere und Menschen ausbeutenden und patriarchalen Kapitalismus, aber das würde hier jetzt zu weit führen…). Überall fächerten sich Leute „kühle“ Luft zu, benetzten sich mit Wasser aus Sprühflaschen und leckten kaltes Wassereis (vielen Dank an die solidarischen Menschen, die es kostenlos verteilten!).

Nach einem kurzen Verlesen der Demoauflagen ging die Demo begleitet von zwei Lauties los und bahnte sich ihren Weg durch die Offenburger City. Hier war dann doch mehr los, als ich erwartet hätte: Konsumieren und shoppen bei 40° bis zum Umfallen. Immerhin waren keine queerfeindlichen und rechten Zeitgenoss*innen am Straßenrand. So blieben uns ihre menschenfeindlichen Kommentare erspart. Eine halbe Stunde zog der CSD begleitet von lauter Musik, wenigen politischen Aussagen in Form von Schildern, Fahnen und noch weniger Sprechchören die Fußgänger*innenzone entlang bis in den Bürger*innenpark, der in Zukunft Wolfgang-Schäuble-Park heißen wird, nach dem Ortenauer CDU-Politiker, der seinerzeit gegen die Ehe für alle polemisiert hatte, weil die Ehe „seit biblischen Zeiten als Gemeinschaft zwischen Mann und Frau angelegt war“.

Im Park flüchteten dann auch gleich alle unter die schönen, großen Platanen und machten es sich in deren Schatten bequem (Immerhin dort gibt es welchen. Offenburg belegte beim Hitzecheck der DUH bundesweit den allerallerallerletzten Platz…WTF?). Es waren viele Info-, Essens-, kommerzielle und kulturelle Stände aufgebaut. Das ging von der städtischen Jugendarbeit und Frauen helfen Frauen Ortenau über QueerKAstle, Black Forest For Animals bis hin zum Bunten Block Offenburg und einem Stencil-Stand, wo mensch sich ein Schild für die nächste Demo sprühen konnte.
Auf der Bühne gab es Rede- und Musikbeiträge und auf dem Minigolfplatz sorgte die Kessel-Crew für kalte Getränke, Essen und Schatten.

Nachdem mir mein wohlverdientes Bier dort in der Hitze krass in den Kopf gestiegen ist, machte ich mich bald auf den Heimweg.
Am Abend gab es dann noch die fast schon traditionelle Aftershow-Party im Kessel.

Queer Liberation!
All Equal – All Different!
My Anarchism Is Queer!

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„Die menschengemachte Klimakatastrophe ist da: Wir leben mittendrin.“ – 2. Autonome Kunstausstellung auf der Passerelle in Kehl https://nigra.noblogs.org/post/2026/06/26/die-menschengemachte-klimakatastrophe-ist-da-wir-leben-mittendrin-2-autonome-kunstausstellung-auf-der-passerelle-in-kehl/ Fri, 26 Jun 2026 06:21:44 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3968 Weiterlesen ]]> Anonyme Künstler*innen eröffneten am 24. Juni auf der Fußgänger*innen- und Fahrradbrücke Passerelle auf der deutsch-französischen Grenze zwischen Kehl und Strasbourg die zweite autonome Kunstausstellung diesmal zum Thema „Die menschengemachte Klimakatastrophe ist da: Wir leben mittendrin.“.

26 Bilder – Gemälde, Zeichnungen und Collagen – drücken auf sehr unterschiedliche Weise Gefühle zur allgegenwärtigen Klimakatastrophe aus. Ein Einführungstext auf Deutsch, Englisch und Französisch setzt das Ganze in Beziehung zur Gesamtscheiße:

Die menschengemachte Klimakatastrophe ist da: Wir leben mittendrin.

Der mächtigste Mann der Welt bezeichnete die Klimakatastrophe in der UN-Vollversammlung im Herbst 2025 als „den größten Betrug, der jemals an der Welt begangen wurde“.

Hier und heute, wo wir diese Bilder am 24. Juni inmitten einer der heftigsten Hitzewellen Europas auf der Passerelle aufhängen, fragen wir uns, was wir noch alles von den Mächtigen der Welt ertragen müssen. Denn der Faschist Trump ist nicht allein. Nicht nur er will weiter nach Erdöl bohren, Erdgas fördern und munter die Zukunft der Welt verheizen. Nicht nur er will weiter ungehindert die Ressourcen der Erde ausbeuten und Reichtümer anhäufen. Nicht nur er will weiterhin mit Privatjets und Luxusjachten um die Welt jagen. Nicht nur er will weiterhin hemmungslos Tiere ausbeuten und Regenwälder für Futtermittelanbau niederbrennen. Nicht nur er will weiterhin seinen Diesel verbrennen und die Freiheit auf den Autobahnen für sich in Anspruch nehmen. Nicht nur er will generative KI mit ihren Rechenzentren bis zum Overkill treiben. Die Regierungen der EU und besonders die Deutschlands tun alles, um Trump nachzueifern. Merz, Reiche und Co. sind keinen Deut besser: Sie scheißen auf dich und mich, auf uns alle. Wachstum und Profite gehen ihnen über alles. Sie geben einen Dreck auf die Menschen um sie herum und die, die noch nach ihnen kommen werden. Der Kapitalismus ist ein Todeskult und die Mächtigen sind seine Priester*innen.

Mit diesen Bildern bringen wir unsere Gefühle zum Zustand der Welt zum Ausdruck. Andere zünden Teslas an, sprengen eine Bank in die Luft oder besetzen Bäume und Kohlebagger.

Es braucht uns alle.
Die Grenze verläuft nach wie vor zwischen unten und oben.
System change, not climate change.
Nieder mit dem Kapitalismus.

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Nach der Wahl wie vor der Wahl: Solidarisch gegen Rechts – Demo in Freiburg am 22.02.2025 https://nigra.noblogs.org/post/2025/02/21/nach-der-wahl-wie-vor-der-wahl-solidarisch-gegen-rechts-demo-in-freiburg-am-22-02-2025/ Fri, 21 Feb 2025 20:49:03 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3761 Weiterlesen ]]> [Aufruf des Bündnisses] Die Wahl steht kurz bevor und mehr denn je braucht es eine starke linke Bewegung, die sich solidarisch gegen Rechts stellt. Der Faschismus schreitet weltweit von Erfolg zu Erfolg und auch in Deutschland wird die AfD immer stärker. Ihre Politik ist eine Bedrohung für Millionen von Menschen, die nicht so aussehen, nicht so leben und nicht so denken, wie es der AfD gefällt. Sie will mehr Sozialabbau und weniger Rechte für uns alle. Gleichzeitig sind wir entsetzt, wie Politiker*innen anderer Parteien die Parolen und Inhalte der AfD kopieren. Rechter Hetze stellt man sich nicht entgegen, indem man sie selbst betreibt.

Es gilt, klare Kante gegen Hass und Rassismus zu zeigen, um die Gleichberechtigung aller Menschen in Deutschland zu erreichen. Das bedeutet auch, Politik für die große Mehrheit zu machen. Die zunehmende Aushöhlung des Sozialstaats, die Kürzungen beim Bürgergeld, der Rente und in Bildung und Kultur müssen endlich beendet werden. Stattdessen werden die Krisen unserer Zeit den am stärksten benachteiligten Gruppen wie Bürgergeldempfänger*innen und Migrant*innen in die Schuhe geschoben, während Superreiche ihre Vermögen weiter vervielfachen und unseren Planeten unbewohnbar machen. Das ist scheinheilig und liefert keine Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit.

Wir wollen zeigen: Die Mehrheit steht für ein solidarisches Zusammenleben, Gleichberechtigung und eine Gesellschaft, in der Menschenleben und Menschenwürde zählen! Lasst uns gemeinsam am 22.02.2025 einen Tag vor der Wahl auf die Straße gehen und uns zusammen solidarisch gegen Rechts stellen! Bist du dabei?

Samstag, 22.02.2025, 14h Uhr, Platz der alten Synagoge, Freiburg

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Atommüll-Alarm! Kundgebungen am 9.11. in Karlsruhe und Philippsburg https://nigra.noblogs.org/post/2024/10/19/atommuell-alarm-kundgebungen-am-9-11-in-karlsruhe-und-philippsburg/ Sat, 19 Oct 2024 07:52:15 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3752 Weiterlesen ]]> [Originalbeitrag von Anti-Atom Südwest auf antiatom.net]

Vor 40 Jahren am 8. Oktober 1984 gab es den ersten Atommülltransport in das Zwischenlager Gorleben. Seit dem ersten Atommülltransport gab es auch immer Widerstand und Proest dagegen und das nicht nur im Wendland sondern auch auf der Strecke u.a. in der Pfalz.

Könnt ihr euch noch an die Massenproteste bei CASTOR-Transporten erinnern, z.B. als 2010 in Berg (Pfalz) ca. 1.500 Menschen auf den Gleisen saßen und den CASTOR von La Hague nach Gorleben erfolgreich blockierten? Es war ein Akt des Empowerments und er hat politisch Weichen gestellt.

Jetzt ist es wieder so weit, wir erwarten vor Jahresende 2024 einen CASTOR-Transport von La Hague (F) nach Philippsburg (ca. 30 km nördlich von Karlsruhe), genauer Termin – unbekannt, wir hoffen darauf, dass was durchsickert.

Als Anti-Atom-Bewegte werden wir nicht still zusehen wie dieser unnötige und gefährliche Atommülltransport von statten geht. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Bevölkerung davon Kenntnis erhält, dass hochradioaktiver Atommüll durch dicht bewohntes Gebiet, für viele an der Haustür vorbei, rollt. Dieser Transport ist unnötig und gefährlich. Wir fordern, dass der hochradioaktive Atommüll in La Hague so lange bleibt, bis ein Endlager gefunden ist und er direkt dort hingefahren wird. Nicht von A nach B und dann nach C, diese Risiken sind unnötig und können vermieden werden.

Solange in Karlsruhe am Joint Research Center an der nächsten Generation von Brennelementen für AKWs geforscht wird, solange in Lingen (NRW) Brennelemente für AKW hergestellt und in Gronau (NRW) Uran angereichert wird, solange Atomforschungsreaktoren wie in Garching (Bayern) weiterlaufen und wie im Fall Schacht Konrad auf unsichere Lager für Atommüll gesetzt wird, solange ist unser Protest und Widerstand gegen Atomenergie notwendig. Atomenergie ist teuer, gefährlich und nicht Klimaneutral.

Die Anti-Atom-Bewegung in Süddeutschland ruft zum gemeinsamen Protest gegen den anstehenden CASTOR-Transport auf. Da wir den genauen Termin nicht wissen, veranstalten wir am Sa. 09. Nov. 2024 eine gemeinsame Anti-Atom-Protestfahrt vom Karlsruher Hbf nach Philippsburg.
Kommt mit, schließt euch uns an. Bringt eure Anti-Atom-Fahnen, Trommeln, Pfeifen usw. mit. Lasst uns laut und bunt sein. Die Presse wird von uns eingeladen.

Anti-Atom-Protest: Samstag, 09.November 2024

  • Kundgebung um 11:30 Uhr vor dem Karlsruher Hbf, mit Redebeiträgen zum CASTOR-Transport, Zwischenlagerproblematik die zu Langzeitlagern werden, Fehlendes „End“lager und Energiewende.
  • Gemeinsame Fahrt mit dem Zug nach Philippsburg
    Abfahrt KA Hbf 12:28 Uhr, Ankunft Philippsburg 12:59 Uhr
  • Demo vom Bahnhof Philippsburg zum Marktplatz, dort Kundgebung, gemeinsame Rückfahrt.

Mobilisieren

Plakate in Din A2 zum Atommüll-Alarm und zur Zug-Aktion am 9. November könnt Ihr ab sofort formlos und kostenlos bei uns per Email bestellen. Benutzt hierfür unser⏵Kontaktformular und vergesst Eure Anschrift nicht!
Natürlich freuen wir uns auch über Spenden zur Unkostenbeteiligung. Danke!

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Äußerst gut besuchte Kundgebung gegen Rechts in Offenburg https://nigra.noblogs.org/post/2024/06/08/kundgebung-gegen-rechts-in-offenburg/ Sat, 08 Jun 2024 17:55:34 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3710 Weiterlesen ]]> 34 Menschen nahmen an der Kundgebung gegen Rechts in Offenburg teil.

Die seltsamen Provinz-Possen und Querelen, die sich im Vorfeld der Kundgebung abspielten, sind für Beobachter*innen nicht leicht zu durchschauen und die lokale Presse trug nichts zur Erhellung bei und zwar nicht nur, weil ihre Artikel meist hinter Bezahlschranken verborgen waren, sondern auch, weil sie Details falsch wiedergaben. Naja, wir sind das ja von Baden Online und dem Offenburger Tagblatt gewöhnt.

Die Aktion sollte sich einreihen in die bundesweit angemeldeten Demos gegen Rechts am Vortag der allerwichtigsten, schicksalhaften Superwahlen am 9. Juni. Ungefähr spielte sich Folgendes ab (ohne jetzt aus dem Nähkästchen zu plaudern): Eine Demo gegen Rechts wurde angemeldet. Die rechte Junge Union war – mensch beachte das Demomotto – natürlich nicht mit an Bord. Darüber jammerten sie so erfolgreich, dass diverse Unterstützer*innen der Demo absagten: Parteien, Kirchen, Aufstehen gegen Rassismus etc. Die Demo wurde dann komplett abgesagt und erneut von Leuten von Fridays For Future und der Linken angemeldet. Es ist ja grundsätzlich gut, dass irgendwie alle gegen die AfD sind und das auch öffentlich kundtun wollen. Aber: Müssen das immer alle gemeinsam tun? Und, wer glaubt denn noch an die heilige Brandmauer und wer braucht sie überhaupt, wenn SPD, Grüne und FDP sich darin überbieten, AfD- und CDU-Arbeit zu erledigen? Warum sollte ich alle Parteien außer der AfD wählen? Weil nur die AfD „undemokratisch“ ist? Weil nur sie uns in finstere Zeiten führen würde? Weil alle anderen Parteien, nur weil sie nicht die AfD sind, uns eine gute, lebenswerte Zukunft bescheren werden? Wie werden sie das tun? Indem sie endlich, jetzt aber wirklich, aktiv etwas gegen die Klimakatastrophe und das Artensterben tun werden? Indem sie endlich den Kapitalismus abschaffen und ein Wirtschaftssystem einrichten werden, das an die ökologischen und sozialen Belange und die wirklichen Bedürfnisse der Menschen gebunden ist? Ach nein, das steht ja gar nicht auf den Wahlzetteln und keine Partei bietet das an…Shit!

So kamen heute, es sind ja schließlich schon ein paar Monate her seit den Correctiv-Recherchen und den darauf folgenden Demos, nur ganze 34 Menschen zur Kundgebung gegen Rechts auf dem Rathausplatz. Natürlich taten die Querelen im Vorfeld ihr Übriges. Auf der Demo Ende Januar waren über 6000 Menschen. Wo wart ihr heute?

Eine Stunde vorher konnte genau hier auf dem gleichen Platz noch die faschistische Deportations-Partei AfD völlig unbehelligt ihre menschenverachtende Propaganda unters Volk bringen. Taras „Gollum“ Maygutiak und Co. standen mit ihrem hässlichen Pavillon neben den Freien Wähler*innen und der SPD wie jede andere, demokratische Partei. Denn genau das ist die AfD: Eine demokratische Partei. Und das ist das Problem: Wir können den Faschismus wählen. Und viele werden das tun, weil sie genau das wollen. Sie wollen nicht behelligt werden mit so komplizierten Dingen wie Klima- und Artenschutz, Seenotrettung, Menschenrechten, Krieg, Diversität, Verkehrswende, Antisemitismus, Rassismus und you name it. Sie wollen glauben, dass alles so weiter gehen kann wie die letzten Jahrzehnte. Und genau das verspricht ihnen die AfD. Und in gewisser Weise tun das auch die meisten anderen Parteien. Viele Wähler*innenstimmen gewinnt mensch nicht, indem gesagt wird, dass wir alles verändern und umkrempeln müssen und wir eben nicht so weiter machen können wie bisher.

Anyway, die Kundgebung verlief nach dem üblichen Muster. Es wurden ein paar Reden gehalten, antifaschistische Songs gespielt und noch eine Weile beisammen gestanden und sich unterhalten. Eine lustige Einlage brachte der Redner von Die Linke, als er sich dafür bedankte, dass so viele Menschen zur Kundgebung erschienen sind. Er las das von seinem Smartphone ab. Die Rede hatte er wohl in der Hoffnung geschrieben, dass wir einen zweiten 20. Januar erleben würden…Ich liebe Selbstironie.

Natürlich lässt mich der morgige Tag nicht kalt und es ist nicht völlig egal, ob die SPD an der Macht ist oder die AfD. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem kleinem oder einem großen Haufen Scheiße, den ich schlucken muss, ist klar, was ich wähle. Horst Stowasser hat mal sinngemäß auf einer Veranstaltung gesagt (Oder hat er es in einem seiner Bücher geschrieben? Egal.): „Wenn ich als Gefängnisinsasse meine Wärter*innen selber aussuchen dürfte, würde ich natürlich die am wenigsten sadistischen wählen.“ Das heißt aber noch lange nicht, dass der*die Gefangene damit einverstanden sein muss, dass er*sie im Knast sitzt und nicht parallel an der Flucht arbeitet.

Ich gehe auf jeden Fall morgen wählen und was ich in der Wahlkabine tue, ist…geheim.

Gegen die AfD!
Gegen den Faschismus!
Für die Anarchie!

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Israel und Palästina – Es ist kompliziert… Ist es das? https://nigra.noblogs.org/post/2023/10/31/israel-und-palaestina-es-ist-kompliziert-ist-es-das/ Tue, 31 Oct 2023 09:41:58 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3636 Weiterlesen ]]> So lange ich denken kann, höre, sehe und lese ich Nachrichten über den Konflikt in Israel und Palästina. Begriffe wie Sechs-Tage-Krieg, IDF, Intifada, PLO und Namen wie Meir, Arafat, Rabin, Camp David sind mir geläufig. Immer wieder habe ich als Anarchist versucht, den Konflikt zu verstehen, mir eine Haltung anzueignen, die Bestand hat. Es gelingt mir nicht und inzwischen denke ich, dass es das auch nicht muss. Aber das denke ich zu vielen Konflikten und Kriegen in der Welt, die einfach nicht enden.

Die Situation vor Ort ist aus verschiedenen Gründen festgefahren und verworren. Schon allein die regionalen historischen Gegebenheiten würden ausreichen, den Konflikt am Laufen zu halten. Es gibt weltweit viele Beispiele, bei denen es ähnlich läuft. Hinzu kommt der europäische und natürlich deutsche Antisemitismus der letzten Jahrhunderte, die überall stattgefundenen Pogrome und die Shoa, die versuchte Vernichtung allen jüdischen Lebens, bei der über sechs Millionen Jüdinnen:Juden in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet wurden. Der europäische Antisemitismus und die nationalsozialistische „Endlösung“ sind untrennbar mit dem Konflikt verwoben.

Es gib hunderte von Büchern zum Thema und einige habe ich gelesen. Ich habe unzählige Diskussionen dazu verfolgt und geführt. Ich habe das Aufkommen und Verschwinden der antideutschen Bewegung beobachtet. Ich habe dann jahrelang vom Konflikt nichts wissen wollen, auch weil es so viel anderes hier zu tun gibt: Die Klimakatastrophe bekämpfen, die AfD in ihre Schranken verweisen, Schwurbler*innen entgegentreten, sich für Geflüchtete und die Bewegungsfreiheit aller einsetzen, für die Tierbefreiung eintreten und den Anarchismus voranbringen.

Am 7. Oktober 2023 haben Terror-Kommandos der islamistischen Hamas aus dem Gazastreifen Israel überfallen, über 1400 Menschen ermordet, viele verletzt und hunderte entführt. Sie gingen dabei äußerst brutal und menschenverachtend vor. Gleichzeitig wurden massive Raketenangriffe auf Israel gestartet. Es gibt unzählige schreckliche Videoaufnahmen, Berichte und Augenzeug*innenberichte, die das belegen und ich sehe keinen Grund, diese zu bezweifeln. Wer bisher noch nicht verstanden hat, was die Artikel 7 und 22 der Hamas-Charta bedeuten, konnte es am siebten Oktober endlich begreifen: Die faschistische Hamas meint es ernst mit der Auslöschung jüdischen Lebens. Sie bringt Menschen um, weil sie Jüdinnen:Juden sind. Sie ist keine antikoloniale Befreiungsbewegung. Sie steht nicht auf der Seite der Unterdrückten. Sie ist eine religiös-fundamentalistische Terror-Gruppe.

Als Reaktion auf den Hamas-Terrorismus startete der israelische Staat eine bis dahin unvorstellbare Bombardierung des Gazastreifens. Die Kollateralschäden, also getötete und verletzte Zivilist*innen und zerstörte Infrastruktur, sind enorm. Das lässt sich in einem der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt gar nicht verhindern, auch wenn die IDF im Vorfeld immerhin Warnungen ausspricht. Die Kritik am Vorgehen der IDF ist in der ganzen Welt groß und ich teile sie. Natürlich erfüllen die Bombardements ihren Zweck: Sie vernichten Hamas-Infrastruktur. Aber sie töten und verletzen auch unschuldige Menschen. Sie bringen die bisher sowieso schon schlechte Versorgung der Menschen in Gaza zum Erliegen. Die Reaktion der IDF sieht auch wie Rache aus: Wieder einmal entstehen Bilder, die der Hamas und anderen Antisemit*innen in die Karten spielen. Der Kampf von David gegen Goliath. Steine gegen Maschinengewehre. Unterdrückte gegen Unterdrücker*innen. Die israelische Armee ist eine der mächtigsten und modernsten der Welt. Die Hamas wirkt dagegen wie eine stümperhaft ausgerüstete Hobby-Armee. Dazu die Behauptung von der Befreiungsbewegung gerührt und fertig ist der Freiheitskampf-Eintopf. Nur mal so als Idee: Was würde geschehen, wenn Israel nicht zurückschlagen würde? Wenn es stattdessen mit den fortschrittlichen Kräften in Gaza zusammenarbeiten würde? Schließlich sind nicht alle Menschen in Gaza Hamas-Terrorist*innen. In den letzten Monaten und Jahren gab es dort wiederholt Demonstrationen gegen die Hamas. Der Teufelskreis aus Gewalt, Terror und Krieg muss durchbrochen werden. Ich weiß, dass das viel verlangt ist, aber ich glaube nicht, dass die fanatische Hamas dazu fähig ist.

Ich denke, dass die Menschen in Palästina ohne die Hamas besser dran wären: Eine Gruppe, die den Islamismus und die Vernichtung Israels als Doktrin hat, kann und will nicht zum Frieden in der Region beitragen. Nehmen wir einmal an, dass die Hamas ihre Ziele erreicht: Israel ist vernichtet, alle Juden:Jüdinnen wurden ermordet oder vertrieben und die Hamas ist nun an der Regierung in Groß-Palästina. Was für ein Staat würde das sein? Schaut euch ihre Geschichte an, lest ihre Gründungscharta. Es würde eine islamistische Diktatur sein, in der Frauen und queere Menschen keine Rechte hätten und jede Freiheitsbestrebung im Keim erstickt würde.

Ich hatte 2011 große Hoffnung in das Manifest der Jugend von Gaza gesetzt: Endlich mal Menschen in Gaza, die sich öffentlich gegen die Hamas positionieren und benennen und zeigen, dass auch diese sie nur unterdrückt. Leider gab es in Gaza nie eine Revolution gegen die Hamas. Widerspruch gibt es hingegen immer wieder.

Ich konnte Linke nie verstehen, die die Hamas abfeierten. Die Hamas steht gegen alles, was Linken normalerweise wichtig ist. Sie steht für alles, was Linke ablehnen. Und nur weil der Konflikt im Kontext Israel und Palästina angesiedelt ist, werfen viele Linke ihre Ideale und Ansprüche über Bord. Das hat einen ekligen Beigeschmack. Warum fällt es vielen so schwer zu sagen: „Ich stehe an der Seite der Menschen in Gaza, aber die antisemitische Hamas unterstütze ich nicht, weil sie eine faschistisch-islamistische Terror-Organisation ist.“ Ich kann mich mit den Menschen in Gaza solidarisieren und trotzdem die Hamas ablehnen und das Existenzrecht Israels anerkennen. Und als emanzipatorische*r Linke*r oder als Anarchist*in muss ich das auch.

Ich wünsche mir, dass die Menschen in Gaza endlich einsehen, dass sich die Hamas einen Scheißdreck um ihre Belange schert. Und immer mehr scheinen das auch zu tun. Die Hamas ist nur eine weitere von vielen Akteur*innen, die um die Macht ringen, die herrschen und unterdrücken wollen und dabei auch über palästinensische Leichenberge geht. Freiheit für Palästina (was das auch immer sein soll) wird es nur ohne die Hamas geben.

Noch ein Wort zu Israel: Israel ist ein Staat. Und ich als Anarchist halte den Staat für den falschen Weg, Gesellschaft zu organisieren. Aber Israel ist kein Staat wie jeder andere, da er Zuflucht für alle Juden:Jüdinnen der Welt ist, die seit Jahrhunderten unter Antisemitismus, Verfolgung und Pogromen leiden und die Shoa überlebt haben. Dass die Gründungsgeschichte Israels keine schöne ist, ist mir bewusst (Aber welche Gründung egal welchen Staates ist schon schön?). Die innenpolitische Situation in Israel ist keine gute: Eine rechtsextreme Regierung unter dem unsäglichen Benjamin Netanjahu, autoritäre Bestrebungen, die unabhängige Justiz zu übernehmen, jüdisch-fundamentalistische Gruppierungen und die ständig intensivierte Siedlungspolitik machen das Ganze nicht einfacher. Und dennoch halte ich es für falsch, gerade dem Staat Israel in einer Welt aus Staaten das Existenzrecht abzusprechen. Auch das hätte einen ekligen Beigeschmack. Ich fange lieber hier bei mir zu Hause an und fordere die Auflösung des Staates Deutschland.

Es ist kompliziert… Ist es das? Ja. Immer noch.

In diesem Sinne, als erster Schritt: Free Palestine…from Hamas!

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„Das Gebet des Wildes“: Jäger*innenlatein vom Feinsten https://nigra.noblogs.org/post/2023/06/29/das-gebet-des-wildes-jaegerinnenlatein-vom-feinsten/ Thu, 29 Jun 2023 09:05:03 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3591 Weiterlesen ]]> Die Tage war ich im Wald unterwegs und entdeckte am Wegesrand ein Schild, auf dem ein „Gebet des Wildes“ geschrieben stand. Schon der Titel zeigte mir, woher der Wind wehte.

Hier das „Gebet“ in voller Länge:

Das Gebet des Wildes

Kommst du oh Mensch in dies’ Revier,
vergiss uns nicht wir leben hier.
Sind froh und dankbar, genau wie Du
gibt man uns Frieden und die Ruh’.
Wir bitten Dich, sei darauf bedacht:
Dir sei der Tag – lass uns die Nacht.
Drum wenn die Sonne geht zur Ruh’
verlasse dann den Wald auch Du.
Sei morgens nicht so zeitig hier
sonst störst Du uns und das Revier.
Vom Dämmern bis zum frühen Morgen
da müssen wir für Äsung sorgen.
Gar eng ist unser Paradies,
das uns die Technik übrig lies.
Lass uns die Dickung – bleib Du auf den Wegen
so kommst Du unserer Bitt’ entgegen.
Für Dein Verständnis danken Dir,
das Wild und auch der Pächter vom Revier.

Oberflächlich betrachtet ist das ein Apell an die Waldbesucher*innen, den Lebensraum von wilden Tieren zu respektieren. Das scheint ja erstmal okay zu sein. Schaut mensch genauer hin, wird daraus etwas ganz anderes. Nämlich ein Aufruf von Jäger*innen, ihre „Beute“ nicht zu stören. Begriffe wie „Wild“, „Revier“, Dickung“, Äsung“ und „Pächter vom Revier“ deuten darauf hin. Besonders „Äsung“ ist eine Vokabel aus der Jäger*innensprache und meint ganz allgemein die Nahrung der „Beute“. Und die Nahrungsaufnahme soll auf gar keinen Fall gestört werden, schließlich sollen Wildschweine, Rehe und andere Tiere schön fett sein, wenn sie erschossen und dann gegegessen werden. Das Wort „Wild“ bedeutet laut Bundesjagdgesetz nichts anderes als „wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen“.

Die Vermenschlichung von Tieren im Text ist wieder mal ein Hinweis auf die Heuchelei von Carnivor*innen: Die Tiere des Waldes sprechen mit den Leser*innen des „Gebetes“, sie scheinen „genau wie Du“ die gleichen Bedürfnisse zu haben, nämlich „Frieden und Ruh’“. Auch die Behauptung, Tiere würden beten, ist eine Vermenschlichung (auf so einen Quatsch, also das Beten, können doch wirklich nur Menschen kommen…). Doch all das hilft nicht viel: Am Ende des Tages werden sie halt doch abgeknallt und gegessen.

In anderen Kontexten wird Tieren natürlich vehement abgesprochen, „so zu sein wie wir“: Wie könnten es dann z. B. Jäger*innen rechtfertigen, fühlende, denkende Lebewesen zu töten? Wäre das dann nicht Mord? Immer wieder kritisieren Nichtveganer*innen jeder Couleur, wir würden Tiere vermenschlichen, weil wir und immer mehr auch die Wissenschaft ihnen bestimmte Fähigkeiten und Bedürfnisse zusprechen. Dabei ist das doch bei Fleischesser*innen besonders beliebt.

Alles in Allem ist das „Gebet des Wildes“ Jäger*innenlatein vom Feinsten. Anstatt sich ehrlich zu machen und z. B. zu schreiben „Leute, geht nicht in die Natur! Bleibt in euren Häusern und Städten! Wir wollen den Wald, die Wiesen, die Heide, die Berge und die Moore für uns alleine haben, damit wir in aller Ruhe die uns rechtmäßig zustehenden Tiere abknallen können. Das war schon im Feudalismus so und wir hätten gerne, dass das für immer so bleibt.“, schustern sie sich ein peinliches „Gebet“ zusammen, das tief blicken lässt.

Es ist unbenommen, dass der Zivilisationsdruck der Restnatur, die ja in den allermeisten Fällen in Deutschland eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft ist, stark zusetzt. Gerade in den Corona-Jahren hat der „Raus in die Natur“-Boom nochmal stark zugenommen. Und viele Menschen verhalten sich rücksichtslos gegenüber den verbliebenen Lebensräumen der noch in Freiheit lebenden Tiere. Aber das Hauptproblem sind ja nicht Menschen, die ihre rare Freizeit in der Natur verbringen wollen, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem, das durch seinen Wachstumszwang und sein Profitstreben, Ökosysteme ausbeutet und nachhaltig zerstört. Lebensräume von Tieren und Pflanzen sind nicht hauptsächlich durch Spaziergänger*innen, Wander*innen oder Mountainbiker*innen bedroht, sondern z. B. durch geplante Autobahnen, extensive Landwirtschaft mir ihren Monokulturen, Neubaugebiete, Lithiumminen oder Kohleabbau.

Daraus folgt dann das „Gar eng ist unser Paradies, das uns die Technik übrig lies.“. Dass diese „Technik“ kein Naturgesetz ist sondern das menschliche Einwirken in Ökosysteme und letzten Endes deren Zerstörung, hat im „Gebet“ keinen Platz. Und – wen wundert es – Jäger*innen sind überdurchschnittlich oft Akteur*innen in Konzernen, der Politik und Landwirtschaft, da die Jagd immer noch hauptsächlich von reichen und mächtigen Menschen (hauptsächlich Männer*, nur sieben Prozent sind Frauen*) betrieben wird, die tief im patriarchialen System verankert sind (So ist z. B. Finanzminister Lindner überzeugter Jäger). Ihre Verquickungen mit zerstörerischen Machenschaften werden immer wieder belegt und zeigen, dass es ihnen eben nicht um den Schutz der Tiere und deren Lebensräume geht sondern darum, ihrem blutigen Hobby zu fröhnen, nämlich Tiere zu ermorden.

Und ja, ich weiß, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas in der Jäger*innenschaft verändert und ökologische, nachhaltige Ansätze zu entdecken sind. Gerade junge Jäger*innen haben oft einen anderen Blick auf die Jagd, als der Alte Herr von der CDU. Es gibt sogar angeblich vegetarische und vegane Jäger*innen. Das ändert aber nichts an der tierbefreierischen Kritik der Jagd: Tiere sind keine austauschbaren Schachfiguren im Zahlenspiel der Waldwirtschaft oder dem Umbau des auszubeutenden Forstes in einen klimawandelresistenten Wald. Sie sind fühlende und leidensfähige Lebewesen, die als Individuen ein Recht auf ein unversehrtes und glückliches Leben haben. Darum lehne ich die Jagd ab.

Geschissen auf das „Gebet des Wildes“. Ich geh in die Natur, wann und wo ich das will und wenn ich den Jäger*innen dabei das „Wild“ vetreibe, hat es sich doppelt gelohnt.

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Freiburg: Kundgebung gegen die Reform des GEAS https://nigra.noblogs.org/post/2023/06/08/freiburg-kundgebung-gegen-die-reform-des-geas/ Thu, 08 Jun 2023 15:34:45 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3573 Weiterlesen ]]> 200 Menschen zeigten am heutigen Donnerstag in Freiburg ihre Ablehnung gegen die geplante Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems. Diese wird heute in Luxemburg verhandelt.

Seit Jahrzehnten wird das Recht auf Asyl in Deutschland und der EU stetig ausgehöhlt und die Festung Europa ausgebaut. Linke Parteien sind genauso daran beteiligt wie liberale, konservative, populistische und rechte. Der kurze Sommer der Willkommenskultur 2015 ist nur noch eine schale Erinnerung und Merkels „Wir schaffen das!“ und die darauffolgende „Flutwelle“ von Geflüchteten ein willkommenes Scheinargument in der Hetze gegen jegliche Menschlichkeit in der Diskussion um Bewegungsfreiheit.

Eine rassistische Gang, bestehend aus AfD, CDU und BILD, treibt die hilflose Ampel-Regierung vor sich her und reiht sich ein in den EU-weiten Chor, der gegen das Rest-Grundrecht auf Asyl angröhlt. Die Regierungspartei Die Grünen verrät einmal mehr ihre Herkunft und ihre Basis, die vor Ort oft etwas ganz anderes will. Business as usual.

In Luxemburg treffen sich heute die EU-Innenminister, um eine Reform des Asylrechts zu beschließen. Die Zeichen stehen schlecht: Die Festung Europa wird wohl noch enger abgesichert gegen Menschen, die in ihr Zuflucht und Schutz vor Krieg, Hunger, Verfolgung und den Folgen der Klimakatastrophe suchen oder dort einfach nur auf ein besseres Leben hoffen. Sie sollen erst gar nicht reingelassen, sondern an den Außengrenzen gesammelt und zurückgeschickt werden. Weit weg von kritischen Menschen und Organisationen werden Push-backs, menschenunwürdige Lager und andere Grausamkeiten zunehmen. Die Botschaft ist klar: Kommt erst gar nicht zu uns! Wir wollen euch nicht!

Auf dem Platz der alten Synagoge trafen sich heute um 12 Uhr 200 Menschen, um ihre Solidarität mit Geflüchteten zu zeigen und sich für die Bewegungsfreiheit aller Menschen einzusetzen. Sie folgten dem relativ spontanen Aufruf von Aktion Bleiberecht Freiburg. Besonders eindrücklich war der Redebeitrag eines Menschen aus Syrien. Er schilderte seine Flucht, seine Erfahrungen mit der deutschen Gesellschaft und wie wichtig es für ihn war, solidarische Menschen getroffen zu haben. Im Anschluss stellte sich Aktion Bleiberecht vor: Seit nunmehr über 20 Jahren setzt sich die Gruppe auf vielfältige Weise unermüdlich für Geflüchtete ein. Kommt an Bord!

Auch in anderen Städten wie z. B. Hamburg und Frankfurt a. M. fanden Kundgebungen statt.

Wer kommen will, soll kommen.
Wer bleiben will, soll bleiben.
Grenzen weg.

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Solidarität mit der Letzten Generation! https://nigra.noblogs.org/post/2023/05/27/solidaritaet-mit-der-letzten-generation/ Sat, 27 May 2023 05:06:55 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3548 Weiterlesen ]]> In der Nacht nach den Razzien gegen die Letzte Generation hatte ich einen Traum.

Ich und meine Genoss*innen hatten schwer bewaffnet ein Gipfeltreffen der Regierungsvertreter*innen der größten Industriestaaten der Welt gekapert und alle anwesenden Politiker*innen als Geiseln genommen. Der Ort des Geschehens war eine Art Arena: Die Regierungschef*innen und andere Wichtigtuer*innen standen unten auf dem „Kampfplatz“ zusammengepfercht und schlotterten vor Angst. Wir standen ringsum auf den Sitzreihen verteilt und hielten sie mit unseren krassen Knarren in Schach. Wir erpressten sie ganz schamlos: „Entweder die weltweite Wirtschaftweise wird sofort auf emissionsfrei umgestellt oder wir knallen euch alle ab. So einfach ist das.“ Und da es kein Albtraum war sondern einer mit Happy End, lenkten alle reumütig ein und machten sich sofort auf den Heimweg und schafften den Kapitalismus ab und führten eine auf ökologischen Notwendigkeiten und dem tatsächlichen Bedarf der Menschen basierenden Wirtschaft ein. Zack, Welt gerettet!
Nur zwei traurige Gestalten standen noch unten in der Arena und weigerten sich vehement, auf unsere Forderungen einzugehen: Bundeskanzler Olaf „In Hamburg hat es keine Polizeigewalt gegeben“ Scholz und Bundesfinanzminister Christian „Klimaschutz ist eine Sache der Profis“ Lindner. Wir hoben unsere schweren Maschinengewehre, legten an… und dann bin ich aufgewacht, weil unten auf der Straße ein Wissing-Jünger mit seiner tiefergelegten und röhrenden Karre vorbeiraste.

Obwohl ich kein Fan der Letzten Generation bin, haben mich die Razzien gegen sie aufgewühlt. Sicher auch deswegen, weil unsere WG selbst schon mal morgendlichen „Besuch“ von kleptomanischen Bullen hatte und ich gut mitfühlen konnte. Schon im Vorfeld fand ich die Hetze von Politiker*innen und Medien und die Repression gegen die LG grotesk und selbstentlarvend. Die verbalen Entgleisungen, die im Terror-Vorwurf gipfelten, und das gleichzeitige Verharren im Status Quo offenbaren immer deutlicher wie wenig die meisten Menschen verstehen, was die Klimakatastrophe schon ist und – handeln wir nicht im uns verbleibenden Zeitfenster effizient und global – sein wird: Nämlich eine echte Zeitenwende, die alles verändern wird. Und das sicher nicht zum Guten.

Der Repressionsvorstoß aus Bayern hat nochmal eine neue Dimension und Qualität: Er macht einmal mehr deutlich, was staatliche Willkür ist und dass sie jede*n treffen kann und trifft. Das schüchtert ein. Er zeigt, dass manche Leute in mächtigen Positionen gewillt sind auf Teufel komm raus, jungen Menschen eine kaum mehr bewohnbare Erde zu hinterlassen. Dafür verstecken sie sich hinter Gesetzesbüchern und missbrauchen diese für ihre politische Agenda. Das macht wütend.

Die Forderungen der LG sind in keinster Weise staatsfeindlich, sie sind bürgerlich und leicht umsetzbar. Ihre Aktionsformen hingegen nerven die Betroffenen in den verursachten Staus, legen den Finger in die Wunde und bringen den alltäglichen Wahnsinn des fossil betriebenen Straßenverkehrs zum Stocken. In einer auf Öl verbrennendem Individualverkehr basierenden Gesellschaft lässt das die Emotionen hochkochen. Schon vor Jahren fielen mir Aufkleber mit dem Slogan „Fuck you, Greta!“ an Autos auf. Jetzt endlich können diese Menschen ihrem Hass freien Lauf lassen und zulangen. Unterstützt von widerlichen Politiker*innen-Kommentaren wie z. B. von Berlins SPD-Innensenatorin Iris Spranger, die zum Thema Selbstjustiz von wütenden Autofahrer*innen sagte: „Das muss leider dann eben auch zur Rechenschaft gezogen werden.“ Yeah!

Ich muss nicht die Organisationsform der LG gut finden, ich muss nicht ihre Forderungen für ausreichend halten und ich muss nicht ihr Aktionsformen für zielführend halten, um zu erkennen, dass die Repressionen gegen sie abgrundtief falsch und verachtenswert sind. Für mich stehen sie trotz aller Kritik, die ich an ihr habe, auf der richtigen Seite der Barrikade. Sie verdienen die Solidarität aller Menschen, die eine bewohnbare Erde erhalten wollen. Und diese ist die Basis für den ständigen Kampf für eine herrschaftsfreie Gesellschaft.
Außerdem mag ich es, dass sie Gesetze brechen.

Denn: Gesetze sind zum Brechen da.
Darum: Solidarität mit der Letzten Generation!

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Bücher lesen: Die Klimakrise und der Global Green New Deal https://nigra.noblogs.org/post/2023/05/07/buecher-lesen-die-klimakrise-und-der-global-green-new-deal/ Sun, 07 May 2023 06:49:21 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3539 Weiterlesen ]]> Noam Chomsky, Robert Pollin und C.J. Polychroniou gehen in dem 2021 beim Unrast Verlag erschienenen Buch Die Klimakrise und der Global Green New Deal der Frage nach, wie die Klimakatastrophe anhand eines weltweiten Umbaus der Energiewirtschaft aufgehalten werden kann.

Das 145 Seiten umfassende Buch ist ein Interview, in dem der Politikwissenschaftler und Volkswirt Polychroniou dem Anarchisten Chomsky und dem Wirtschaftswissenschaftler und Sozialisten Pollin Fragen zum Thema Klimakrise und zu Pollins Vorschlag zu einem Global Green New Deal stellt.

Pollin stellt seinen Vorschlag gründlich und gut verständlich dar. Dieser Vorschlag ist weder radikal noch antikapitalistisch sondern nüchtern und pragmatisch immer unter der Prämisse, dass wir nur noch wenig Zeit haben, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Weder fordert er eine sofortige Abkehr vom Kapitalismus noch die soziale Weltrevolution in den nächsten zehn Jahren. Ich halte das für zielführend und die globale Lage für realistisch einschätzend: Wir werden in der uns verbleibenden Zeit weder den Kapitalismus überwinden noch die Weltrevolution erleben. Darum müssen wir, wenn wir wollen, dass die Menschheit überlebt und eines Tages in freien Gesellschaften leben kann, pragmatisch handeln. Und das auf globaler Ebene so schnell wie möglich. Das ist schon schwer genug.
Chomskys Beiträge beschränken sich eher auf unterstützende Ergänzungen, die aber immer wieder Pollins Ausführungen ins Gesamtbild einordnen. Natürlich kommen die seit Jahrzehnten von ihm bekannten, aber deswegen nicht falschen Kritikpunkte an der Innen- und Außenpolitik der USA zum Tragen.

Pollin zeigt, dass es rein monetär betrachtet einen lächerlich geringen Betrag der jährlichen globalen Geldmengen braucht, um die Weltwirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen. Und hier liegt auch ein Hauptaugenmerk des Deals: Die Weltwirtschaft muss ihre benzinbetriebenen Verbrennungsmotoren, ihre kohleverbrennenden Kraftwerke und ihre gasbetriebenen Heizungen auf eine Energiegewinnung umstellen, die zu hundert Prozent auf Wind-, Sonnen- und Wasserkraft basiert. Das liest sich erstmal nüchtern und könnte so auch auf einem x-beliebigen Parteitag irgendeiner halbwegs grünen oder sozialdemokratischen Partei vorgetragen werden, zumal das alles letztenendes Forderungen an Regierungen sind, entsprechende Gesetze zu schaffen. Aber zum Glück bleibt Pollin, sekundiert von Chomsky, nicht dabei stehen: Beide sehen, dass „Klimaschutz“ allein nicht genug ist und dass Klimagerechtigkeit ein maßgeblicher Bestandteil aller Bestrebungen sein muss, die Klimakatastrophe aufzuhalten. Desweiteren sehen sie in den Folgen dieses globalen Umbaus eine Chance für die Weiterentwicklung der Gesellschaft hin zu einer freieren, dezentraleren, gerechteren, ökologischeren Weltgesellschaft. Ich kann ihnen da nur beipflichten und kam in meinem Text System Change, not Climate Change? Die befreite Gesellschaft und die kommende Klimakatastrophe in Teilen zu ähnlichen Gedanken.

Der Kampf muss – und kann – an allen Fronten geführt werden.
Noam Chomsky

Im ersten Kapitel gehen Chomsky und Pollin auf das Wesen und die Auswirkungen der Klimakatastrophe ein und machen deutlich, dass sie die größte Bedrohung für die Existenz der Menschheit seit der atomaren Aufrüstung ist.

Im zweiten Kapitel zeigen sie deutlich auf, dass der Kapitalismus im Gewand des Neoliberalismus gepaart mit irrationalen Entscheidungen der Herrschenden die Ursache für die Misere ist. Hier wird der us-amerikanischen Schwurbler*innen-Partei die Republikaner eine besondere Bedeutung beigemessen.

Das dritte Kapitel skizziert dann den Global Green New Deal Pollins und jongliert mit gut belegten Zahlen zu Emissionswerten, Geldmengen etc. Hier wird deutlich, dass das Ganze Hand und Fuß hat und mit politischem Willen umsetzbar wäre. Es wird auch auf die Ideen der Degrowth-Bewegung eingegangen und solidarische Kritik an ihr geübt.

Wie es geschafft werden kann, Menschen für die Rettung des Planeten zu gewinnen, wird im vierten Kapitel behandelt. Leider ist dieser Teil, der meiner Meinung nach der wichtigste ist, auch der kürzeste und bleibt eher allgemein. Dennoch endet das Buch mit positiven Beispielen von sowohl graswurzlerischen Bewegungen wie auch staatlichen Maßnahmen.

Mir gefällt an diesem Buch, dass Pollin und Chomsky alle Menschen mitnehmen wollen und sehr darauf bedacht sind, dass der Umbau hin zu einer Null-Emissions-Wirtschaftsweise immer unter dem Gesichtspunkt der Klimagerechtigkeit und der Gerechtigkeit allgemein geschehen muss: Er erkennt die Lebensrealitäten der Menschen an, die in den allermeisten Fällen von Lohnarbeit, Prekariat und Armut geprägt sind. Besonders in den Ländern, die am wenigsten zur Klimakatastrophe beitragen aber schon jetzt am meisten unter ihr leiden. Bei aller Nüchternheit des Textes enthält er dennoch eine gute Prise Utopie – Ausblicke auf eine gute Zukunft für alle – und das macht mir Mut. Und Mut brauchen wir alle, mich verlässt er immer wieder seit den Coronajahren und der immer greifbarer werdenden Klimakatastrophe und dann bin ich froh, so ein Buch zu lesen.

Der Green New Deal ist meiner Ansicht nach der einzige Ansatz zur Klimastabilisierung , der auch in der Lage ist, den anstieg der Ungleichheit umzukehren und damit den globalen Neoliberalismus und den aufsteigenden Neofaschismus zu bezwingen.
Robert Pollin

C.J. Polychroniou (Hrsg.), Noam Chomsky und Robert Pollin

Die Klimakrise und der Global Green New Deal

145 Seiten

ISBN: 978-3-89771-298-0

14,00 €

Unrast Verlag
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