Religion – n i g r a https://nigra.noblogs.org anarchistisch / optimistisch / dunkelschwarz Wed, 29 Jul 2026 07:15:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://nigra.noblogs.org/files/2017/08/cropped-still-loving-linksunten-32x32.png Religion – n i g r a https://nigra.noblogs.org 32 32 „Trauer wird Widerstand“: Kundgebung in Offenburg zum islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD https://nigra.noblogs.org/post/2026/07/29/trauer-wird-widerstand-kundgebung-in-offenburg-zum-islamistischen-attentat-auf-den-berliner-csd/ Wed, 29 Jul 2026 06:55:21 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=4047 Weiterlesen ]]> 75 queere Menschen und Verbündete kamen gestern zur Kundgebung von Die Linke in Gedenken an die Opfer des islamistischen Anschlags auf den Berliner CSD am vergangenen Samstag auf dem Offenburger Rathausplatz und setzten ein Zeichen gegen Queerfeindlichkeit, Fundamentalismus und die Heuchelei der Regierung unter Merz.

Erst einen Tag zuvor wurde die Kundgebung beworben und dennoch kamen 75 Menschen unter dem Sonnendach auf dem Offenburger Rathausplatz zusammen, um ihrer Trauer, ihrer Wut und auch ihrer Hoffnung auf eine befreite Gesellschaft Ausdruck zu verleihen. Nach einer Schweigeminute hielten Menschen von Die Linke, dem Bunten Block Offenburg, TINA* Offenburg und CSD Offenburg e. V. Reden, erzählten aus Betroffenenperspektive (was ich stellenweise sehr emotional fand und fast heulen musste) und ordneten den Anschlag in die Gesamtscheiße ein. Blackrock-Kanzler Merz und Co. kriegten ihr verdientes Fett weg. Deutlich wurde gemacht, dass Islamismus nicht der Islam ist, sondern eine fundamentalistisch-faschistische Ideologie, die – genau wie der Faschismus – über Leichen geht. Als Atheist und Anarchist lehne ich alle Religionen ab und halte sie für die Mitursache vieler mieser Zustände auf der Welt, aber dennoch fand ich es richtig, dass in den Reden Muslime in Schutz genommen wurden gegen den Rassismus der „Mitte“ und der AfD, der jetzt wieder Hochkunjunktur hat.

Nach knapp 50 Minuten wurde die Kundgebung mit einem Soli-Foto für den Berliner CSD beendet.

Auch wenn es eine Veranstaltung von der Partei Die Linke war (sie waren die Einzigen, die etwas auf die Beine gestellt haben), fand ich sie wichtig und mir war es als Verbündeter wichtig, daran teilzunehmen. Danke für die Orga.

Queeres Leben verteidigen.
Islamismus und Faschismus zerschlagen.
Für die Anarchie.

[zum Vergrößern, Fotos anklicken]

]]>
„Jin Jiyan Azadi! Feministische Kämpfe International Verteidigen!“ Das war die Demo am 8. März in Freiburg https://nigra.noblogs.org/post/2026/03/11/jin-jiyan-azadi-feministische-kaempfe-international-verteidigen-das-war-die-demo-am-8-maerz-in-freiburg/ Wed, 11 Mar 2026 09:05:08 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3903 Weiterlesen ]]>

Mehrere tausend Menschen gingen am Internationalen feministischen Kampftag in Freiburg gegen das weltweite Patriarchat auf die Straße. FLINTA* und Verbündete machten lautstark und allen Widerständen zum Trotz gut gelaunt deutlich, dass Männerherrschaft tödlich ist für Menschen und den gesamten Planeten.

Der Platz der alten Synagoge in Freiburg war prall gefüllt. Bis hoch zum Theater saßen und standen tausende von Menschen (ich hab leider keine anderen Berichte zur Demo und der Teilnehmer*innenzahl gefunden), die dem Aufruf gefolgt waren. Der Schwerpunkt der Demo sollte auf Kurdistan, Rojava und Rojhilat liegen. Zum Auftakt hielten Verschiedene Gruppen und Einzelpersonen Reden zu Kurdistan aber natürlich auch zu einigen anderen Themen (ich habe leider nicht alle Namen und Reden richtig verstanden, da die Umgebungslautstärke groß und der Lauti teilweise zu leise war. Alle folgenden Fehler gehören mir. Scheinbar kann mensch das alles auf dem Instagram-Account des Demobündnisses nachlesen. Da ich das nicht kann und will, müsstet ihr euch selber bemühen.): Das Frauenkollektiv Freiburg sprach zum Patriarchat und feministischen Kämpfen. Der Kurdische Frauenrat Freiburg machte deutlich, wie wichtig die Revolution in Rojava für den Feminismus und die ganze Welt ist. Die Person von Students for Palestine ließ mich ein wenig ratlos zurück, da ich ihrer Ausführung zum Massenmorden Israels in Gaza nicht ganz folgen konnte: Sie sprach, als ob in Gaza vor dem Krieg ein queeres Friede-Freude-Eierkuchen-Kollektiv gelebt hätte, das jetzt von der IDF durch deren Bombenterror zerstört worden wäre. Natürlich wurden und werden in Gaza auch FLINTA* getötet. Aber nicht, weil sie FLINTA* sind, sondern weil sie in Gaza leben. FLINTA* und andere Menschen, die nicht in das islamo-faschistische Menschenbild der Hamas passen, wurden vor dem Krieg gezielt von eben dieser unterdrückt und ermordet, weil sie FLINTA*, schwule Männer und Andersdenkende waren. Eine Person aus Afghanistan rief dazu auf, die Frauen in Afghanistan nicht zu vergessen. Zwei Personen sprachen zur völlig unterschätzten Frauen*-Krankheit Endometriose und forderten, diese ernst zu nehmen und Solidarität mit Betroffenen zu zeigen. Eine Person sprach zu ME/CFS, wovon hauptsächlich Frauen betroffen sind und wie diese allein gelassen werden. Zwei Personen sprachen in Vertretung für Black Radicals und bezogen sich auf den Schwarzen Abolitionisten Frederick Douglass. Zwei Personen von Tadamun verlasen ein Gedicht zu Gaza über den Schmerz, von Eltern, die ihre toten Kinder aus den Trümmern bergen müssen. Eine Person von ROSA – Rolling Safespace erzählte von den speziellen Widrigkeiten, denen FLINTA* auf der Flucht ausgesetzt sind und wie sie unterstützt werden können.

Gegen 17:30 Uhr machte die Demo sich auf den Weg: Es war die kämpferischste, bunteste, lauteste und gut gelaunteste Demo, auf der ich seit langem war. Es ging wohl vielen so wie mir: Wir freuten uns einfach, dass so viele Menschen an diesem wichtigen Tag gemeinsam, trotz inhaltlicher Differenzen, auf die Straße gingen und zumindest eine Forderung hatten, die sie verband: Das Patriarchat muss zerstört werden! Überall.
Unzählige Flaggen, Transparente, Schilder, Sprechchöre, Parolen, Sticker und eine Trommelgruppe zeigten verschiedenste feministische Haltungen, Themen und Forderungen. Es machte großen Spaß, da mitzulaufen und tat im Angesicht der globalen Abwärtsspirale einfach gut. An der Gerhard-Graf-Sporthalle in der Friedrich-Straße regten sich die Bullen kurz auf: Aktivist*innen hatten es gewagt, das eingerüstete Gebäude für einen Bannerdrop zu nutzen und ein wenig Feuerwerk und einen Rauchtopf zu zünden. Bullengewalt hat es hierbei nicht gegeben. Haha, Scherz. Natürlich wurden die Bullen gewalttätig, beim Versuch, die Aktivist*innen zu erwischen und solidarische Menschen zurückzudrängen. Bullenbusiness as usual.
Als sich die Situation wieder beruhig hatte, zog die Demo weiter über den Rotteckring zurück zum Platz der alten Synagoge.
Das Ende der Demo habe ich leider verpasst, da die Bahn nicht bereit war, für uns einen Sonderzug nachhause einzurichten. So mussten wir uns nach dem beknackten Fahrplan der Bahn richten und Richtung Bahnhof gehen.

Jin Jiyan Azadi!
Hoch lebe die YPJ!
Das Patriarchat zu Klump schlagen!
Für die Anarchie!

[Fotos zum Vergrößern anklicken]

[Ich habe einige Seiten nicht verlinkt, da sie nur Instagram-Accounts sind. Alle in’s Fediverse!]

]]>
Israel und Palästina – Es ist kompliziert… Ist es das? https://nigra.noblogs.org/post/2023/10/31/israel-und-palaestina-es-ist-kompliziert-ist-es-das/ Tue, 31 Oct 2023 09:41:58 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3636 Weiterlesen ]]> So lange ich denken kann, höre, sehe und lese ich Nachrichten über den Konflikt in Israel und Palästina. Begriffe wie Sechs-Tage-Krieg, IDF, Intifada, PLO und Namen wie Meir, Arafat, Rabin, Camp David sind mir geläufig. Immer wieder habe ich als Anarchist versucht, den Konflikt zu verstehen, mir eine Haltung anzueignen, die Bestand hat. Es gelingt mir nicht und inzwischen denke ich, dass es das auch nicht muss. Aber das denke ich zu vielen Konflikten und Kriegen in der Welt, die einfach nicht enden.

Die Situation vor Ort ist aus verschiedenen Gründen festgefahren und verworren. Schon allein die regionalen historischen Gegebenheiten würden ausreichen, den Konflikt am Laufen zu halten. Es gibt weltweit viele Beispiele, bei denen es ähnlich läuft. Hinzu kommt der europäische und natürlich deutsche Antisemitismus der letzten Jahrhunderte, die überall stattgefundenen Pogrome und die Shoa, die versuchte Vernichtung allen jüdischen Lebens, bei der über sechs Millionen Jüdinnen:Juden in den Vernichtungslagern der Nazis ermordet wurden. Der europäische Antisemitismus und die nationalsozialistische „Endlösung“ sind untrennbar mit dem Konflikt verwoben.

Es gib hunderte von Büchern zum Thema und einige habe ich gelesen. Ich habe unzählige Diskussionen dazu verfolgt und geführt. Ich habe das Aufkommen und Verschwinden der antideutschen Bewegung beobachtet. Ich habe dann jahrelang vom Konflikt nichts wissen wollen, auch weil es so viel anderes hier zu tun gibt: Die Klimakatastrophe bekämpfen, die AfD in ihre Schranken verweisen, Schwurbler*innen entgegentreten, sich für Geflüchtete und die Bewegungsfreiheit aller einsetzen, für die Tierbefreiung eintreten und den Anarchismus voranbringen.

Am 7. Oktober 2023 haben Terror-Kommandos der islamistischen Hamas aus dem Gazastreifen Israel überfallen, über 1400 Menschen ermordet, viele verletzt und hunderte entführt. Sie gingen dabei äußerst brutal und menschenverachtend vor. Gleichzeitig wurden massive Raketenangriffe auf Israel gestartet. Es gibt unzählige schreckliche Videoaufnahmen, Berichte und Augenzeug*innenberichte, die das belegen und ich sehe keinen Grund, diese zu bezweifeln. Wer bisher noch nicht verstanden hat, was die Artikel 7 und 22 der Hamas-Charta bedeuten, konnte es am siebten Oktober endlich begreifen: Die faschistische Hamas meint es ernst mit der Auslöschung jüdischen Lebens. Sie bringt Menschen um, weil sie Jüdinnen:Juden sind. Sie ist keine antikoloniale Befreiungsbewegung. Sie steht nicht auf der Seite der Unterdrückten. Sie ist eine religiös-fundamentalistische Terror-Gruppe.

Als Reaktion auf den Hamas-Terrorismus startete der israelische Staat eine bis dahin unvorstellbare Bombardierung des Gazastreifens. Die Kollateralschäden, also getötete und verletzte Zivilist*innen und zerstörte Infrastruktur, sind enorm. Das lässt sich in einem der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt gar nicht verhindern, auch wenn die IDF im Vorfeld immerhin Warnungen ausspricht. Die Kritik am Vorgehen der IDF ist in der ganzen Welt groß und ich teile sie. Natürlich erfüllen die Bombardements ihren Zweck: Sie vernichten Hamas-Infrastruktur. Aber sie töten und verletzen auch unschuldige Menschen. Sie bringen die bisher sowieso schon schlechte Versorgung der Menschen in Gaza zum Erliegen. Die Reaktion der IDF sieht auch wie Rache aus: Wieder einmal entstehen Bilder, die der Hamas und anderen Antisemit*innen in die Karten spielen. Der Kampf von David gegen Goliath. Steine gegen Maschinengewehre. Unterdrückte gegen Unterdrücker*innen. Die israelische Armee ist eine der mächtigsten und modernsten der Welt. Die Hamas wirkt dagegen wie eine stümperhaft ausgerüstete Hobby-Armee. Dazu die Behauptung von der Befreiungsbewegung gerührt und fertig ist der Freiheitskampf-Eintopf. Nur mal so als Idee: Was würde geschehen, wenn Israel nicht zurückschlagen würde? Wenn es stattdessen mit den fortschrittlichen Kräften in Gaza zusammenarbeiten würde? Schließlich sind nicht alle Menschen in Gaza Hamas-Terrorist*innen. In den letzten Monaten und Jahren gab es dort wiederholt Demonstrationen gegen die Hamas. Der Teufelskreis aus Gewalt, Terror und Krieg muss durchbrochen werden. Ich weiß, dass das viel verlangt ist, aber ich glaube nicht, dass die fanatische Hamas dazu fähig ist.

Ich denke, dass die Menschen in Palästina ohne die Hamas besser dran wären: Eine Gruppe, die den Islamismus und die Vernichtung Israels als Doktrin hat, kann und will nicht zum Frieden in der Region beitragen. Nehmen wir einmal an, dass die Hamas ihre Ziele erreicht: Israel ist vernichtet, alle Juden:Jüdinnen wurden ermordet oder vertrieben und die Hamas ist nun an der Regierung in Groß-Palästina. Was für ein Staat würde das sein? Schaut euch ihre Geschichte an, lest ihre Gründungscharta. Es würde eine islamistische Diktatur sein, in der Frauen und queere Menschen keine Rechte hätten und jede Freiheitsbestrebung im Keim erstickt würde.

Ich hatte 2011 große Hoffnung in das Manifest der Jugend von Gaza gesetzt: Endlich mal Menschen in Gaza, die sich öffentlich gegen die Hamas positionieren und benennen und zeigen, dass auch diese sie nur unterdrückt. Leider gab es in Gaza nie eine Revolution gegen die Hamas. Widerspruch gibt es hingegen immer wieder.

Ich konnte Linke nie verstehen, die die Hamas abfeierten. Die Hamas steht gegen alles, was Linken normalerweise wichtig ist. Sie steht für alles, was Linke ablehnen. Und nur weil der Konflikt im Kontext Israel und Palästina angesiedelt ist, werfen viele Linke ihre Ideale und Ansprüche über Bord. Das hat einen ekligen Beigeschmack. Warum fällt es vielen so schwer zu sagen: „Ich stehe an der Seite der Menschen in Gaza, aber die antisemitische Hamas unterstütze ich nicht, weil sie eine faschistisch-islamistische Terror-Organisation ist.“ Ich kann mich mit den Menschen in Gaza solidarisieren und trotzdem die Hamas ablehnen und das Existenzrecht Israels anerkennen. Und als emanzipatorische*r Linke*r oder als Anarchist*in muss ich das auch.

Ich wünsche mir, dass die Menschen in Gaza endlich einsehen, dass sich die Hamas einen Scheißdreck um ihre Belange schert. Und immer mehr scheinen das auch zu tun. Die Hamas ist nur eine weitere von vielen Akteur*innen, die um die Macht ringen, die herrschen und unterdrücken wollen und dabei auch über palästinensische Leichenberge geht. Freiheit für Palästina (was das auch immer sein soll) wird es nur ohne die Hamas geben.

Noch ein Wort zu Israel: Israel ist ein Staat. Und ich als Anarchist halte den Staat für den falschen Weg, Gesellschaft zu organisieren. Aber Israel ist kein Staat wie jeder andere, da er Zuflucht für alle Juden:Jüdinnen der Welt ist, die seit Jahrhunderten unter Antisemitismus, Verfolgung und Pogromen leiden und die Shoa überlebt haben. Dass die Gründungsgeschichte Israels keine schöne ist, ist mir bewusst (Aber welche Gründung egal welchen Staates ist schon schön?). Die innenpolitische Situation in Israel ist keine gute: Eine rechtsextreme Regierung unter dem unsäglichen Benjamin Netanjahu, autoritäre Bestrebungen, die unabhängige Justiz zu übernehmen, jüdisch-fundamentalistische Gruppierungen und die ständig intensivierte Siedlungspolitik machen das Ganze nicht einfacher. Und dennoch halte ich es für falsch, gerade dem Staat Israel in einer Welt aus Staaten das Existenzrecht abzusprechen. Auch das hätte einen ekligen Beigeschmack. Ich fange lieber hier bei mir zu Hause an und fordere die Auflösung des Staates Deutschland.

Es ist kompliziert… Ist es das? Ja. Immer noch.

In diesem Sinne, als erster Schritt: Free Palestine…from Hamas!

]]>
Nie wieder! https://nigra.noblogs.org/post/2022/01/27/nie-wieder/ Thu, 27 Jan 2022 10:21:09 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3320 Weiterlesen ]]> Heute vor 77 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee der Sowjetunion befreit.

Über 1,1 Millionen Menschen wurden dort von der bürokratisch organisierten Vernichtungsmaschinerie der Nazis ermordet. Auschwitz war einer der Orte, an denen die „Endlösung der Judenfrage“, die am 20. Januar 1942 auf der Wannseekonferenz endgültig beschlossen wurde, umgesetzt werden sollte: Die völlige Auslöschung der europäischen Juden:Jüdinnen.

Letzenendes wurden während des Nationalsozialismus über sechs Millionen Juden:Jüdinnen durch Arbeit, Erschießung, Hunger, Kohlenmonoxid und Zyklon B ermordet.

Gestoppt wurde dieses Morden am Fließband nur durch die alliierten Streitkräfte.

Die Shoah in ihrer Einmaligkeit anzuerkennen, mir einzugestehen, dass so etwas wieder passieren kann und dafür zu kämpfen, dass es nie wieder geschieht, das alles gehört zu meiner antifaschistischen Grundhaltung.

Umso erschreckender ist es für mich, mitansehen zu müssen, wie verblendete Egoman:innen den Holocaust für ihre Wahnideen missbrauchen: Sie wähnen sich im Widerstand gegen eine faschistische Diktatur und fühlen sich als „die neuen Juden“. Sie tragen gelbe Davidssterne an der Kleidung, in denen z.B. „Ungeimpft“ oder „Gesund“ steht. Am 27.11.2021 auf einer Demo gegen die Impfpflicht in Kehl – praktisch in Steinwurfweite von mir entfernt –  trug einer dieser widerlichen Typen ein Schild, auf dem zu lesen stand: „Deutsche Gründlichkeit – 1943-2021 – Hygieneregeln = Volksgesundheit – …und alle machen wieder mit!!“. Zentral prangte ein riesiger Davidsstern in den die Nummer 181120-C19 eingefügt war. Diese sollte wohl einer KZ-Häftlingsnummer nachempfunden sein.

Querdenker*innen auf die Fresse.
Gegen jeden Antisemitismus.

[Das zweite Bild ist ein Screenshot aus einem Youtube-Video der Demo in Kehl am 27.11.2021. Das beschriebene Schild kommt ab ca. 6:55 min. ins Bild. Wenn mensch sich das ganze Video geben will, wird deutlich wer sich hier u.a. tummelt: deutsche und französische Nationalist*innen, christliche Fundamentalist*innen, Verschwörungsmytholog*innen, Esos, Reichsbürger*innen, Parteifreaks von Die Basis und andere unangenehme Zeitgenoss*innen. Buarghhhh…]

]]>
Das Graffito und die Heuchler*innen https://nigra.noblogs.org/post/2020/05/21/das-graffito-und-die-heuchlerinnen/ Thu, 21 May 2020 11:29:45 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3012 Weiterlesen ]]> Politische Graffiti bestechen nicht immer durch ihre Stichhaltigkeit und ausschweifende Argumentation (das hat das Känguruh schon vor Jahren gut erkannt und ausgeführt…). Das liegt wohl auch in der Sache begründet: Sie sind oft nur Parolen, die auf ein gesellschaftliches Thema hinweisen und dieses z.B. kritisieren wollen. Für eine eingehendere Analyse haben wir dann ja lange Bleiwüsten ohne Fotos mit 875 Fußnoten und Querverweisen. Das passt schlecht auf eine Wand und falls doch würde die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, zur Gewissheit werden.

Ich mag politische Graffiti: Sie zeigen Protest im öffentlichen Raum, nutzen triste Wände und machen diese oft bunter und regen Menschen vielleicht zum Nachdenken an. Außerdem sind sie illegal.

In der Nacht zum 1. Mai gab es in der Ortenau diverse Transpi-, Stencil- und Graffiti-Aktionen. In Offenburg wurde z.B. mehrmals die Parole „RASSISMUS TÖTET!“ gesprüht. Eine Binsenweisheit, die aber immer wieder den Leuten vor Augen geführt werden muss.
In einem Fall haben sich Nazis¹ am Schiller-Gymnasium die Mühe gemacht, die Parole zu ergänzen. Sie haben dazugesprüht:“GENAU SOWIE ISLAMISMUS IHR HEUCHLER“ [Sic] (daneben haben sie einen „Nationalismus ist keine Alternative“-Stencil mit „FCK ATFA“ gecrosst. „ATFA“? Hahaha…).

Puh, die Nazi-Ergänzung erscheint erstmal ziemlich wirr und erinnert mich an die „FCK AFD“-Sticker, die in Offenburg immer wieder mit „FCK ISIS“ überklebt werden.

Mit den Worten „GENAU SOWIE“ geben sie zu, dass Rassismus tötet. Das ist schon mal löblich. Aber wahrscheinlich finden sie das gut. Das gehört sich für Nazis ja auch genau so: Ihr Weltbild baut auf Kampf, Krieg und dem Auslöschen der „Untermenschen“ auf.
Mit dem Zusatz „IHR HEUCHLER“ unterstellen sie, dass die Sprüher*innen behaupten oder zumindest denken würden, dass der Islamismus nicht töten würde. Sie hätten also eigentlich gerne gehabt, dass die Sprüher*innen alles aufzählen, was da noch so tötet: Bullen, Soldat*innen, Kapitalismus, Nazis, Corona und Krankheiten im Allgemeinen, Tierausbeutung, Herrschaft, Staaten, Regierungen, Mörder*innen, Verkehrsunfälle, die Klimakrise, Unfälle im Haushalt etc. Aber warum hätten sie das tun sollen? Das Thema ist hier Rassismus und nicht alles andere. Nicht so schwer zu verstehen, oder? Aber schon klar, dass die Nazis hier versuchen die Mär von der Umvolkung in’s Spiel zu bringen: Die große Verschwörung der Linken, Jüd*innen und von wem noch(?) gegen das deutsche Volk. Durch ungezügelte Einwanderung von Muslim*innen (und die sind in der Erzählung der Nazis alle Islamist*innen) nach Deutschland, sollen die Deutschen nach und nach ausgetauscht und ausgelöscht werden.
Dass Islamismus tötet, ist genauso wahr, wie dass Rassismus tötet. Das liegt wohl daran, dass beiden ähnliche Mechanismen und Weltanschauungen zu Grunde liegen. Beide funktionieren u.a. darüber, dass ein starkes „wir“ und ein noch stärkeres „die anderen“ hochgehalten wird. Im Rassismus sind das alle, die nicht zur eigenen vollkommenen und höherwertigen „Rasse“ gehören. Im Islamismus sind es alle „Ungläubigen“, die nicht dem speziell ausgelegten Islam angehören. Beides gipfelt in der Auslöschung der „anderen“. Im Dritten Reich führte dieses „wir und die anderen“ zur Shoa² und zum Porajmos. Beim IS führte es dazu, dass alle „Ungläubigen“ entweder „missioniert“ oder versklavt und umgebracht wurden (und werden).
Der Islamismus hat starke faschistische Merkmale und Züge (Führerkult, Abschaffung von Freiheitsrechten, Unterdrückung und Entrechtung der Frau* und von queeren Menschen, Errichtung einer Diktatur…) und müsste den Nazis also eigentlich gefallen. Allein, er ist ihnen zu fremd und außerdem gehören seine Anhänger*innen in ihren Augen einer minderwertigen „Rasse“ an. Das geht gar nicht.

Nach wenigen Tagen wurden beide Graffiti von der Stadt überstrichen (Warum eigentlich beide und nicht nur die Nazi-Ergänzung?). Es ist also wieder Platz auf der Wand…

¹ Wahrscheinlich waren es gar keine Nazis, sondern nur Menschen, die das doch halt mal gesagt haben dürfen wollen und überhaupt sind doch Kategorien wie „links“ und „rechts“ völlig überholt…es waren wohl die Offenburger IB-Irren (und das sind doch wohl echt gar keine Nazis!), die immer mit dem gleichen Türkis sprühen.
² Der Antisemitismus im Dritten Reich ging einher mit dem Rassismus und den Rassegesetzen der Nazis und führte zur Shoa. Antisemitismus im Allgemeinen ist im eigentlichen Sinn kein Rassismus, baut aber auch auf einem „wir“ und einem „die anderen“ auf.

]]>
zur hölle mit der „demo für alle“! https://nigra.noblogs.org/post/2016/02/29/zur-hoelle-mit-der-demo-fuer-alle/ Mon, 29 Feb 2016 20:01:40 +0000 http://nigra.noblogs.org/?p=1783 Weiterlesen ]]> 3000-4000 menschen nahmen am gestrigen sonntag an der sogenannten „demo für alle“ in stuttgart teil und schwurbelten unter dem motto “ehe bleibt ehe! stoppt die gender-agenda  und sexualisierung unserer kinder” ihre rückständigen ansichten in die welt. zwischen 1500 und 2000 gingen dagegen auf die straße.

das zahlenverhältnis ändert sich von mal zu mal zu gunsten der vielfalt. betrug es im juni 2015 noch 1:10, im oktober 2015 1:5, lag es gestern locker bei 1:2. deutlich weniger homophobe, christlich-fundamentalistische, rechtskonservative, nationalistische, rechte und offen faschistische menschen und gruppen hatten den weg in die landeshauptstadt auf sich genommen und das obwohl ihre busfahrten fett u.a. von albrecht graf von brandenstein-zeppelin gesponsert werden. die afd war augenscheinlich mit vielen anhänger*innen vertreten. im aktuellen landtagswahlkampf zeigt die rassistische partei ihre verbundenheit zur „demo für alle“ u.a. auf ihren wahlplakaten mit sprüchen wir „Bildung statt Ideologie an den Schulen“ und „Kinder willkommen! Ja zur Familie!“ (hier gleichen sich die familien-logos fast aufs haar.).

strategisch klug wurden im vorfeld von verschiedenen gruppen plätze, darunter auch der opernplatz, in der stuttgarter innenstadt mit kundgebungen und veranstaltungen belegt, so dass die „demo für alle“ nicht wie die male zuvor dort ihre abschlusskundgebung abhalten konnte. diesmal drehten sie eine kleine runde bis zum wilhelmsplatz und wieder zurück. hierbei wurden sie von einem massiven und brutalen bullenaufgebot geschützt. so kam es am wilhelmsplatz bei einem durchbruchsversuch dann auch zu großflächigem einsatz von pfefferspray und knüppeln. hier zitiere ich eine passage aus dem bericht der coolen demo-sanis süd-west:

„Nachdem es bereits zwischen Schloss- und Schillerplatz zu ersten Auseinandersetzungen gekommen war, bei denen es die ersten Verletzten gab, ging die Polizei am Wilhelmsplatz unverhältnismäßig und oft ohne ersichtlichen Grund gegen die Gegendemonstranten vor. Angesichts der Fülle der Patienten in diesem kurzen Zeitraum unter Behinderungen durch die Polizei war eine effiziente Patientenversorgung nur schwer zu realisieren. Der öffentliche Rettungsdienst musste zur Bewältigunge der Situation zusätzliche Kräfte des Ehrenamtes hinzuziehen. Ich möchte an dieser Stelle einige Punkte monieren, die unseren Einsatz zusätzlich erschwerten, mich zunächst aber bei den vielen freiwilligen Helfern bedanken, die uns in dieser Situation tatkräftig zur Seite standen. Angeforderte Rettungsmittel wurden von der Polizei nicht bis zu den Patienten durch gelassen. Offensichtlich verletzte Personen, die zum öffentlichen Rettungsdienst wollten, wurden von der Polizei weiter mit Pfefferspray massiv angegangen. Auch Sanitätskräfte gezielt gestoßen und mit Pfefferspray bedroht. Gegen Ende wurde der Verkehr auf der Straße durch die Polizei wieder frei gegeben, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt noch Patienten und behandelndes Personal auf der Straße aufhielten. Zusammenfassend müssen wir mit Erschrecken feststellen, dass die Polizei auf die medizinische Versorgung von Verletzten am Wilhelmsplatz kaum Rücksicht genommen hat.“

ungeachtet dessen waren die proteste gegen die „demo für alle“ wie schon die letzten male militant, friedlich, bunt, kreativ, laut und ausdauernd (siehe fotos). das politische spektrum, das sich in den straßen tummelte, reichte von unorganisierten menschen, parteien und gewerkschaften über antifa-gruppen bis hin zu kommunistischen und anarchistischen gruppen.

die „demo für alle“ stoppen!
die homolobby wird siegen!

[lest auch den bericht des antifaschistischen aktionsbündnisses stuttgart & region.]

]]>
vielfalt gegen einfalt: die proteste gegen die „demo für alle“ in stuttgart https://nigra.noblogs.org/post/2015/10/12/vielfalt-gegen-einfalt-die-proteste-gegen-die-demo-fuer-alle-in-stuttgart/ Mon, 12 Oct 2015 09:02:36 +0000 http://nigra.noblogs.org/?p=1694 Weiterlesen ]]> weit über 1000 menschen prostestierten am gestrigen sonntag in stuttgart gegen die „demo für alle“. diese konnte einen weiteren zulauf verzeichen: ca. 5000 homophobe aus allen rückwärtsgewandten lagern marschierten unter dem motto „ehe bleibt ehe“ gegen die vielfalt des lebens.

die breitere mobilisierung der letzten wochen in der linken szene hat früchte getragen. es kamen über 1000 menschen nach stuttgart, um gegen die rechte „demo für alle“ zu demonstrieren und sie zu blockieren. zunächst schien, wie schon die male (1, 2) zuvor, „the same pocedure as every year“ angesagt zu sein. es fand eine kundgebung mit musik auf dem schlossplatz statt, dann zogen alle zum blockadepunkt am eingang zum schillerplatz. die bullen sorgten mit einem großen aufgebot dafür, dass die homophoben mit kind und kegel zu ihrer demo gelangen konnten. auch dort bot sich das gleiche bild: eine große menschenmenge in rosa und blau. familien, jugendliche, pfaffen in soutane, nazis aller couleur, hooligans, afd’ler*innen, csu- und cdu-anhänger*innen und vielen menschen aus ganz deutschland und mehreren europäischen ländern. wirre reden über „gender-terror“, den „wert der ehe zwischen mann und frau“ und die „diktatur der minderheit“ zeigten einmal mehr, dass ein leben unter der knute dieser leute ein horror wäre. für fast alle.

doch plötzlich setzte sich die blockade in bewegung: über den schlossplatz, am eckensee vorbei durch den akademiegarten gelangte eine große zahl menschen auf die konrad-adenauer-straße und konnte diese zum ersten mal in ihrer ganzen breite besetzen: hier sollte die „demo für alle“ durchkommen. ziemlich schnell zogen die bullen ihre kräfte dort zusammen und konnten allein durch den aufmarsch eines bfe-zuges und ohne gegenwehr die straßenseite am hauptstaatsarchiv freiräumen und diese durch etliche wannen sichern. warum dieser teil der blockade so leicht aufgegeben wurde, ist mir rätselhaft.

nun konnte die „demo für alle“ wie schon die vorherigen male ungehindert zum opernhaus marschieren und diesen großflächig füllen: es waren wirklich um die 5000 menschen. diese mussten aber einen großen wermutstropfen hinnehmen: der coolste banner-drop seit jahren sorgte dafür, dass sie ihre abschlusskundgebung unter einer riesigen regenbogenfahne mit der aufschrift „vielfalt“ abhalten mussten. aktivist*innen hatten diese am balkon des opernhauses befestigt und ihnen damit klar gemacht: „wir wollen euch hier vor unserem theater nicht haben!“.
trotz deutlich kälterem wetter stiegen auch gestern einige aktivist*innen in den eckensee, um den homophoben vollpfosten eine abkühlung zu verabreichen und den protest näher an sie ranzutragen.

das zahlenverhältnis entwickelt sich so langsam zu unseren gunsten. lag es im juni bei ca. 10:1, waren wir gestern schon bei ca. 5:1 angekommen. wir sollten an der verstärkten mobilisierung mit veranstaltungen und zugtreffpunkten festhalten, dann schaffen wir es beim nächsten mal, die „demo für alle“ richtig zu blockieren.

die bullen zeigten sich gestern wieder einmal sehr gewaltorientiert und als feind*innen der pressefreiheit. es gab noch mehr überwachung, noch mehr festnahmen, noch mehr pfefferspray, noch mehr knüppel und in bester cowboy-manier ritt die pferdestaffel in die menge rein. an vielen stellen wurden vertreter*innen der presse trotz presseausweis nicht durchgelassen oder auf umwege geschickt. allein mir passierte das gestern zwei mal. ein fotograf berichtete, dass ein bulle seinen presseausweis haben wollte, um dessen daten über funk prüfen zu lassen. pressefreiheit is dead.

wir lassen uns nicht unterkriegen.
wir gehen jedes mal gegen die „demo für alle“ auf die straße.
für eine welt der vielfalt.

[lest auch den bericht des aabs]

]]>
stuttgart und gomorra – wenn sexkuschelecken die leitkultur zersetzen https://nigra.noblogs.org/post/2015/06/22/stuttgart-und-gomorra-wenn-sexkuschelecken-die-leitkultur-zersetzen/ Mon, 22 Jun 2015 11:10:10 +0000 http://nigra.noblogs.org/?p=1633 Weiterlesen ]]> am gestrigen sonntag demonstrierten zum siebten mal tausende besorgter eltern, christliche fundamentalist*innen, stramme rechte, identitäre, nazis, pfaffen, nonnen und bayern vorgeblich gegen den neuen bildungsplan, der ab 2016 an den baden-württembergischen schulen umgesetzt werden soll.
mehrere hundert gegendemonstrant*innen protestierten gegen die rechte allianz und versuchten die „demo für alle“ zu blockieren.

waren es gegen 13 uhr nur wenige hundert teilnehmer*innen auf dem schillerplatz, wuchs die zahl in den nächsten stunden auf über 4000 menschen an. es war wieder mal eine unseelige mischung, die sich versammelt hatte, um eine weltsicht zu präsentieren, die rückwärtsgewandter nicht sein könnte: menschen jeden alters, viele kinder und jugendliche, ganze familien und senior*innen zeigten gemeinsam mit evangelikalen, konservativen, afd, la manif pour tous, csu, cdu, rechten, identitären, nazis, pfaffen, nonnen, menschen aus bayern, der schweiz und österreich, was sie von einer befreiten gesellschaft halten, nämlich nicht viel. die ehe zwischen mann und frau, das heilige, von gott gesegnete, lebenslange bündnis, sei die einzige bindung, die der mensch eingehen dürfe. eine weltweite homolobby arbeite fleißig daran, der großen mehrheit der menschen, ihren willen und ihr falsche sexualität aufzuzwingen. es wurde sich vehement gegen die geplanten „sexkuschelecken in unseren kindergärten“ und „verrückte gender-experimente“ ausgesprochen. dazu wurden christliche gesänge angestimmt, mit kreuzen und fahnen gewedelt. und immer wieder beteuert, dass mensch nichts gegen homosexuelle habe, aber…
getaucht war die ganze szenerie in ein meer von blauen und rosafarbenen ballons und schildern. ein klares statement für die überholte einteilung der menschen in zwei geschlechter: blau für die jungen, rosa für die mädchen.

auf dem schlossplatz versammelten sich ab 12 uhr 30 mehrere hundert menschen, um gegen die „demo für alle“ zu protestieren und um sie im anschluss an die kundgebung zu blockieren. doch das enorme bullenaufgebot von bereitschaftspolizei, bfe-einheiten und berittener polizei machte ein effektives agieren so gut wie unmöglich. strenge vorkontrollen, mehrere platzverweise, mindestens fünf ingewahrsamnahmen, ungezählte gewalttätige übergriffe, widerliche, herablassende verbalattacken, das einsetzen der polizeipferde als barrieren, behinderung und schikanierung von pressevertreter*innen und das schleimige agitieren von passant*innen durch die antikonfliktbullen sind die repressionsbilanz dieses tages in stuttgart.

gegen 15 uhr 30 setzte sich die „demo für alle“ in bewegung: der zug schien kein ende zu nehmen. hier wurde nochmal deutlich, dass die zahl im vergleich zum 21.03.2015 sicher um das doppelte angestiegen ist. nach einer kurzen route, begleitet von kleinen gruppen von gegendemonstrant*innen, erreichte sie ungehindert den gut gesicherten platz vor dem staatstheater, wo die abschlusskundgebung stattfand und hunderte von blauen und rosafarbenen ballons in die luft zum himmlischen vater entlassen wurden.
auch hier wurde der protest sichtbar: an den absperrungen standen die gegendemonstrant*innen, viele nutzten die warmen temperaturen und wateten durch den eckensee, um auf tuchfühlung mit den fanatiker*innen der „demo für alle“ zu gehen und diese und die bullen mit parolen und einer nassen abkühlung zu beglücken.

die „demo für alle“ wächst stetig und zeigt von mal zu mal deutlicher ihr wahres gesicht: es geht ihr nicht nur darum, um „für die Wahrung der Elternrechte, Ehe und Familie und gegen Gender-Ideologie und Sexualisierung der Kinder zu demonstrieren“ – was ja schon genügend gründe wären, um proteste gegen sie zu organisieren – sondern darum eine rechte allianz zu schmieden, die emanzipatorische bewegungen verleumdet, die das selbstbestimmungsrecht von menschen beschneiden will und die den konservativen rollback der gesellschaft beschleunigt. sie arbeitet dabei mit angst, religiösem eifer und rechtskonservativer ideologie. nazis sind mit an bord, werden toleriert und als teil der familie mit offenen armen aufgenommen.

wenn die nächste „demo für alle“, die in wahrheit eine „demo gegen fast alle“ ist, stattfindet, müssen wir unseren protest um einiges deutlicher machen und das nicht nur zahlenmäßig.

die „demo für alle“ stoppen.
homophobie raus aus den köpfen.
für eine befreite gesellschaft.

amen.

[bericht vom aabs]

]]>
die demo für alle in stuttgart https://nigra.noblogs.org/post/2015/03/22/die-demo-fuer-alle-in-stuttgart/ https://nigra.noblogs.org/post/2015/03/22/die-demo-fuer-alle-in-stuttgart/#comments Sun, 22 Mar 2015 14:02:19 +0000 http://nigra.noblogs.org/?p=1578 Weiterlesen ]]> wenn christlicher fundamentalismus, nazismus, paranoia und die angst vor veränderung eine irre melange bilden

am gestrigen samstag fand zum ersten mal seit fast einem halben jahr wieder eine „demo für alle“ der „besorgten eltern“ in stuttgart statt. über 1000 christliche fundamentalist*innen, rechte und nazis demonstrierten vorgeblich gegen den neuen bildungsplan der grün-roten landesregierung in baden-württemberg. 500 menschen fanden sich zu gegenprotesten auf dem schlossplatz ein.

das bündnis stuttgart ist und bleibt bunt hatte auf dem schlossplatz ab 14 uhr eine kundgebung angemeldet zu der sich im laufe der zeit über 500 menschen einfanden. es war ein breites spektrum, das seine ablehnung gegenüber den „besorgten eltern“ und deren forderungen und weltsicht ausdrückte.
neben einem hiphop-act traten mehrer redner*innen auf, die immer wieder betonten, dass stuttgart eine bunte und tolerante stadt sei mit einer offenen gesellschaft. das alles wirkte im angesicht der tausenden von vorbeieilenden, shoppenden, nichts-von-alledem-wissen-wollenden passant*innen bisweilen surreal und aufgesetzt.

als sich dann ab ca. 15 uhr die fundis und ihre freund*innen um das schillerdenkmal sammelten, begaben sich immer mehr menschen an den nordzugang zum benachbarten schillerplatz, um diesen zu blockieren. das mehrere hundertschaften umfassende bullenaufgebot inklusive reiter*innenstaffel riegelte die fünf zugänge mit gittern ab und ließ nur menschen durch die schleußen, die nicht in ihr oberflächliches raster passten. so gelang es immer wieder aktivist*innen auf den schillerplatz zu kommen und akzente gegen die hetzreden der rechten gläubischen zu setzen: von parolen rufen über stinkbomben bis hin zu fahnen schwenken.
gegen 16 uhr 30 stellte sich die „demo für alle“ am nordausgang auf, um in richtung opernhaus zu marschieren. doch der ausgang wurde von mehr und mehr menschen blockiert, die mit ironischen parolen, das weltbild der fundis verarschten, konfetti regnen ließen, straßentheater veranstalteten, transparente und schilder hochhielten und gut gelaunt waren. auch durch mehrere aufforderungen durch die bullen, ließen sie sich nicht vom blockieren abhalten.
die „demo für alle“ wurde schließlich durch einen anderen ausgang eskortiert. begleitet von protesten und hunderten von bullen kam sie schließlich am alten opernhaus an.

(da ich nicht bis zum ende anwesend war, solltet ihr den ausführlichen bericht des antifaschistischen aktionsbündnisses stuttgart & region (aabs) lesen.)

für mich war es erschreckend zu sehen, was für eine gefährliche mischung an ideologien und wahnvorstellungen sich auf dem schillerplatz versammelt hatte. es mag sein, dass dort wirklich eltern am start waren, die um das wohl ihrer kinder besorgt sind. hörte mensch sich aber die reden dort an, schaute sich die transparente, fahnen und gesichter an, liest sich die texte auf den entsprechenden websites durch, wird schnell klar, dass wir es hier hauptsächlich mit menschen und gruppen zu tun haben, die eine extrem ausgrenzende, nationalistische und von religiösem fanatismus geprägte weltanschauung vetreten. so spricht eine deutschlandfahne auf der in weißer schrift zu lesen ist „jesus ist herr“ bände.
ich war an diesem tag nicht vor ort, um den bildungsplan der grün-roten regierung zu verteidigen, sondern um genau gegen diesen jesus-ist-herr-schwachsinn zu protestieren. ich will keinen anderen bildunsgplan. ich will gar keinen bildungsplan, da ich das schulsystem mit seinem leistungsdruck, seiner notengebung, seiner hierarchie, seiner zurichtungsdynamik ablehne.

homophobie ist doof.
religion ist noch doofer.
die demo für alle ist am allerdoofsten.

anarchie ist cool.

[wenn ihr die fotos anklickt, werden sie größer.]

]]> https://nigra.noblogs.org/post/2015/03/22/die-demo-fuer-alle-in-stuttgart/feed/ 1 „…vollidiotisierte Kniebiesler…“ https://nigra.noblogs.org/post/2014/12/29/vollidiotisierte-kniebiesler/ Mon, 29 Dec 2014 12:18:51 +0000 http://nigra.noblogs.org/?p=1470 Weiterlesen ]]> alle rassistenich hab ja schon ein paar mal darüber nachgedacht, etwas über das phänomen „pegida“ zu schreiben. genug hass dazu hätte ich. aber irgendwie war mir dann immer meine zeit dafür zu schade.

nun lese ich ja ab und an (naja, täglich…) die taz, denn manchmal steht da ja doch was schlaues drin. und in der heutigen ausgabe hat josef winkler mir die arbeit abgenommen und eine exzellente, tiefschürfende und ausgewogene kolumne über pedida geschrieben. die will ich euch nicht vorenthalten, habe sie auf taz.de einfach geklaut und faul hier reinkopiert. winkler spricht mir aus dem herzen. danke. [„kniebiesler“ ist übrigens ein bayrisches schimpfwort und bedeutet so viel wie „halbstarker oder unreifer bursche“]

Das Letzte

von Josef Winkler

Heute ist Ängsteernstnehmen modern. Darf man über Pegida trotzdem noch Witze machen? Nur, wenn einem noch welche einfallen.

Ich weiß nicht: Darf man jetzt Witze über Pegida machen, oder fühlen die sich dann verunglimpft und verdoppeln sich aus lauter Trotz gleich wieder? Es heißt ja, dass man die Sorgen und Ängste dieser Bürger ernst nehmen muss. Oder war’s wahrnehmen? Annehmen? Jedenfalls irgend so was Sozpäd-„reden wir darüber“-Mäßiges, wie bei einem pubertierenden Teenager, bei dem man Angst hat, ihm allzu entschieden mit Vernunft zu kommen, weil er sonst noch komplett austickt und die Bude anzündet, in den Briefkasten scheißt oder sich was antut. Weil Pubertierende ja kein Gehirn im landläufigen Sinn haben.

Ach, Pegida. Mich regt da ja der Name schon auf. Aber was erwartet man von einer „Bewegung“ aus einem Land, in dem 60 Prozent der Bevölkerung Ronny, Peggy oder Mandy heißen. Die „Pegida-Bewegung“ – das klingt so ostig-medizinisch und, natürlich denkt man sofort an Darmbewegung und mit unschönem Geräusch verbundene Ausscheidungen, und so falsch liegt man da ja auch nicht. Dresden, Hauptstadt der Peristaltik.

Klar, früher hätte man gesagt: Jammer-Ossis, macht mal halblang! Grad mal aus der Glotze wissen, wie eine Moschee aussieht, und zwar schon mal läuten hören, dass es im Islam kein Christkind gibt und die Nase abgeschnitten wird, wenn man die Burka falschrum anzieht, aber freilich nicht in unserem Viertel, weil da gibt’s ja gar keine Muslime – aber pompös auf Bürgerrechtler machen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“, als könnte der Islam was dafür, dass ihr zu doof wart, irgendwas aus den ca. 536 Fantastilliarden Aufbaukohle zu machen, die wir seit 25 Jahren zu euch rüberbuttern. Hätte man früher gesagt. Kann man heute nicht mehr so sagen. Heute ist Ängsteernstnehmen modern. Das sind nicht alles Nazis, werden wir ermahnt.

Wobei klar ist: Die Nazis waren ja auch nicht alle Nazis. Viele von denen waren zum Beispiel nur kackblöde Idioten. Oder verdummte Saudeppen. Auch vollidiotisierte Kniebiesler, gefühlskalte Wixer, empathiefreie Drecksäcke, frustrierte armselige Würstchen, gewalttätige Arschlöcher, selbstgerecht-zynische Brunzkacheln waren dabei, damals, und einem ähnlich breiten Spektrum menschlicher Dummbratzigkeit bietet jetzt eben Pegida ein Dach.

Man würde am liebsten…

Und da kann es dann schon reichen, ein deppertes Arschloch zu sein, und wenn man dann auf der Pegida-Demo rumsteht und vielleicht gar noch seine moosdoofe Fresse aufreißt, um einen kretinoiden Slogan zu plärren, den man sich von dem rechten Dreckspack, das die Party hier organisiert, ins Hirn hat scheißen lassen, dann könnt’s schon passieren, dass man für einen Nazi gehalten wird. Und wenn dann einer sagt, schau mal, Nazis!, dann tun sie verunglimpft und singen Weihnachtslieder, dass man am liebsten …

Ach, wenn ich überlege, mir fallen eh keine Witze über Pegida ein. Ich weiß auch, dass es unfair ist, die ganze Scheiße als ostdeutsches Phänomen darzustellen, aber hey … Es muss jetzt auch wirklich mal eine Ruhe sein. Dies war meine letzte Wortklauberei-Kolumne. Ich bedanke mir sehr fürs Lesen all die Zeit und wünsche das Beste fürs neue Jahr und weit darüber hinaus. Servus.

]]>