Vegan/Tierrechte/Tierbefreiung – n i g r a https://nigra.noblogs.org anarchistisch / optimistisch / dunkelschwarz Wed, 12 Jul 2023 06:38:18 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=7.1 https://nigra.noblogs.org/files/2017/08/cropped-still-loving-linksunten-32x32.png Vegan/Tierrechte/Tierbefreiung – n i g r a https://nigra.noblogs.org 32 32 St-Imier 2023: Das zweite Internationale Antiautoritäre Treffen https://nigra.noblogs.org/post/2023/07/12/st-imier-2023-das-zweite-internationale-antiautoritaere-treffen/ Wed, 12 Jul 2023 06:38:14 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3620 Weiterlesen ]]> Heute in einer Woche beginnt das zweite Internationale Antiautoritäre Treffen der neueren Zeit in St-Imier in der Schweiz. Inzwischen gibt es ein umfangreiches politisches und kulturelles Programm, das sich sehen lassen kann.

Anfänglich war ich skeptisch wegen den diversen Kontroversen (1, 2), die ich im Vorfeld mitbekommen habe. Inzwischen haben mich einige Überlegungen, Austausche und die Stellungnahme des Orga-Kollektivs besänftigt und ich habe mich entschieden, hinzufahren.

Vor 11 Jahren war ich ebenfalls dort und war überwältigt von dem Treffen, dem Austausch, der Orga und den vielen coolen Leuten, die ich kennenlernen durfte. Von daher bin ich sehr gespannt, auf dieses Jahr: Es gibt – neben den üblichen Streitpunkten wie z. B. Gewalt – durchaus Sprengstoff in der Bewegung, den es 2012 so konkret nicht gab: Die Corona-Pandemie und der Krieg Putins gegen die Menschen in der Ukraine.

Nichtsdestotrotz freue ich mich, dass ich mich entschieden habe, doch hinzufahren. Es gibt viele interessante Workshops und Vorträge, Theateraufführungen und Konzerte. Allein wegen Kalashnikov Collective aus Mailand lohnt sich das Ganze schon.

Auf der Seite anarchy2023.org findet ihr alle wichtigen Infos in fünf Sprachen zum Treffen.

Auf nach St-Imier!

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Musik für Kids im Jahr 2023: Sukinis „Da haben wir den Salat“ rockt die Kinderzimmer! https://nigra.noblogs.org/post/2023/07/01/musik-fuer-kids-im-jahr-2023-sukinis-da-haben-wir-den-salat-rockt-die-kinderzimmer/ Sat, 01 Jul 2023 14:50:28 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3609 Weiterlesen ]]> Nach über dreißig Jahren Punk, schreibe ich hier meine erste Plattenrezension und dann auch noch über eine rap-rock-artige Kinderplatte…los geht’s!

Schon die erste Platte von Sukini „Schmetterlingskacke“ von vor vier Jahren war bis vor Kurzem die beste Kinderliederplatte, die ich je gehört habe. Und ich kenn so einige richtig schlimme…Sie war ein totaler Gegenentwurf zum ekligen Rolf Zuckowski und Co. Bei Sukini reimt sich Anarchie auf Fantasie und in superverständlicher Sprache verhandelt sie genau die Themen, über die sie schon als Zeckenrapperin Sookee für „Erwachsene“ gerappt hat: Feminismus, Gefühle, Homosexualität, Gleichberechtigung, Queerness, Respekt, Bewegungsfreiheit u.v.m.

Nun kam ihre zweite Platte raus: „Da haben wir den Salat“. Und sie toppt noch die Erste. Das ist richtig gute Mucke mit Gänsehauttexten: Warum gab es solche Musik nicht, als ich sie gebraucht hätte? Die Musik ist nicht mehr so raplastig sondern rockiger, sie ist sehr vielseitig und es kommen verschiedene Instrumente zum Einsatz. Dafür holt sie sich Support von Saskia Lavaux, der Band D!E GÄNG und Shaban. Inhaltlich schließt sie an die erste an. Sie ist aber deutlicher, härter und fordernder. Vielleicht auch, weil ihr eigenes Kind jetzt älter ist und zur Schule muss? Würde mich nicht wundern, wenn sie eine Freie Schule gründet.

„Her mit der Revolution, liebe Leutis,
her mit der Revolution!“
Sukini; aus dem Song „Okay leutis“

Für mich ist der Hit der Platte auf jeden Fall „Da haben wir den Salat“: Ein Lied gegen Tierausbeutung und für den Veganismus. Yeah! Aber auch alle anderen Stücke sind absolute Knaller. Es geht um Gefühle, Schule, Zensuren, Achtsamkeit, Geschlechter, Kinderrechte, häusliche Gewalt, Vielfalt und den Safer Space Frauenhaus. Am Ende kommt wie bei „Schmetterlingskacke“ ein Einschlaflied.

„Sie sind kein Schinken, Mortadella, ihre Milch kein Mozarella.
Kein Ei, kein Fisch auf’n Tisch, kein Kaninchen auf’m Teller.
Sie alle gehören in Gewässer, auf Wiesen oder Felder.
Und die Milch der lieben Kuh trinken die Kälber besser selber.“
Sukini; aus dem Song „Da haben wir den Salat“

Diese Platte sollte in allen Kinderzimmern und auf allen Kindergeburtstagen rauf und runter laufen: Philosopie, Politik, Ethik und Sexualität sind nicht nur Erwachsenenthemen. Alle Kinder haben das Recht über sie adäquat, emanzipatorisch und verständlich informiert zu werden. Und das macht Sukini mit ihrer Musik. Und es würde sicher nicht schaden, wenn die Erwachsenen auch zuhören.

Dass das Ganze wie schon die letzte Platte beim weltgrößten Musik-Konzern Universal Music Group verlegt wird, ist für mich schon ein Wermutstropfen (Ich konnte mich jedenfalls nicht dazu überwinden, denen noch mehr Kohle in den Rachen zu stopfen und hab mir die Songs auf anderem Weg besorgt). Aber wenn ich sehe, wie Kinder in meinem Umfeld auf Sukinis Musik abfahren, kann ich beide Augen zudrücken…und auf „play“ drücken!

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„Das Gebet des Wildes“: Jäger*innenlatein vom Feinsten https://nigra.noblogs.org/post/2023/06/29/das-gebet-des-wildes-jaegerinnenlatein-vom-feinsten/ Thu, 29 Jun 2023 09:05:03 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3591 Weiterlesen ]]> Die Tage war ich im Wald unterwegs und entdeckte am Wegesrand ein Schild, auf dem ein „Gebet des Wildes“ geschrieben stand. Schon der Titel zeigte mir, woher der Wind wehte.

Hier das „Gebet“ in voller Länge:

Das Gebet des Wildes

Kommst du oh Mensch in dies’ Revier,
vergiss uns nicht wir leben hier.
Sind froh und dankbar, genau wie Du
gibt man uns Frieden und die Ruh’.
Wir bitten Dich, sei darauf bedacht:
Dir sei der Tag – lass uns die Nacht.
Drum wenn die Sonne geht zur Ruh’
verlasse dann den Wald auch Du.
Sei morgens nicht so zeitig hier
sonst störst Du uns und das Revier.
Vom Dämmern bis zum frühen Morgen
da müssen wir für Äsung sorgen.
Gar eng ist unser Paradies,
das uns die Technik übrig lies.
Lass uns die Dickung – bleib Du auf den Wegen
so kommst Du unserer Bitt’ entgegen.
Für Dein Verständnis danken Dir,
das Wild und auch der Pächter vom Revier.

Oberflächlich betrachtet ist das ein Apell an die Waldbesucher*innen, den Lebensraum von wilden Tieren zu respektieren. Das scheint ja erstmal okay zu sein. Schaut mensch genauer hin, wird daraus etwas ganz anderes. Nämlich ein Aufruf von Jäger*innen, ihre „Beute“ nicht zu stören. Begriffe wie „Wild“, „Revier“, Dickung“, Äsung“ und „Pächter vom Revier“ deuten darauf hin. Besonders „Äsung“ ist eine Vokabel aus der Jäger*innensprache und meint ganz allgemein die Nahrung der „Beute“. Und die Nahrungsaufnahme soll auf gar keinen Fall gestört werden, schließlich sollen Wildschweine, Rehe und andere Tiere schön fett sein, wenn sie erschossen und dann gegegessen werden. Das Wort „Wild“ bedeutet laut Bundesjagdgesetz nichts anderes als „wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen“.

Die Vermenschlichung von Tieren im Text ist wieder mal ein Hinweis auf die Heuchelei von Carnivor*innen: Die Tiere des Waldes sprechen mit den Leser*innen des „Gebetes“, sie scheinen „genau wie Du“ die gleichen Bedürfnisse zu haben, nämlich „Frieden und Ruh’“. Auch die Behauptung, Tiere würden beten, ist eine Vermenschlichung (auf so einen Quatsch, also das Beten, können doch wirklich nur Menschen kommen…). Doch all das hilft nicht viel: Am Ende des Tages werden sie halt doch abgeknallt und gegessen.

In anderen Kontexten wird Tieren natürlich vehement abgesprochen, „so zu sein wie wir“: Wie könnten es dann z. B. Jäger*innen rechtfertigen, fühlende, denkende Lebewesen zu töten? Wäre das dann nicht Mord? Immer wieder kritisieren Nichtveganer*innen jeder Couleur, wir würden Tiere vermenschlichen, weil wir und immer mehr auch die Wissenschaft ihnen bestimmte Fähigkeiten und Bedürfnisse zusprechen. Dabei ist das doch bei Fleischesser*innen besonders beliebt.

Alles in Allem ist das „Gebet des Wildes“ Jäger*innenlatein vom Feinsten. Anstatt sich ehrlich zu machen und z. B. zu schreiben „Leute, geht nicht in die Natur! Bleibt in euren Häusern und Städten! Wir wollen den Wald, die Wiesen, die Heide, die Berge und die Moore für uns alleine haben, damit wir in aller Ruhe die uns rechtmäßig zustehenden Tiere abknallen können. Das war schon im Feudalismus so und wir hätten gerne, dass das für immer so bleibt.“, schustern sie sich ein peinliches „Gebet“ zusammen, das tief blicken lässt.

Es ist unbenommen, dass der Zivilisationsdruck der Restnatur, die ja in den allermeisten Fällen in Deutschland eine vom Menschen geprägte Kulturlandschaft ist, stark zusetzt. Gerade in den Corona-Jahren hat der „Raus in die Natur“-Boom nochmal stark zugenommen. Und viele Menschen verhalten sich rücksichtslos gegenüber den verbliebenen Lebensräumen der noch in Freiheit lebenden Tiere. Aber das Hauptproblem sind ja nicht Menschen, die ihre rare Freizeit in der Natur verbringen wollen, sondern das kapitalistische Wirtschaftssystem, das durch seinen Wachstumszwang und sein Profitstreben, Ökosysteme ausbeutet und nachhaltig zerstört. Lebensräume von Tieren und Pflanzen sind nicht hauptsächlich durch Spaziergänger*innen, Wander*innen oder Mountainbiker*innen bedroht, sondern z. B. durch geplante Autobahnen, extensive Landwirtschaft mir ihren Monokulturen, Neubaugebiete, Lithiumminen oder Kohleabbau.

Daraus folgt dann das „Gar eng ist unser Paradies, das uns die Technik übrig lies.“. Dass diese „Technik“ kein Naturgesetz ist sondern das menschliche Einwirken in Ökosysteme und letzten Endes deren Zerstörung, hat im „Gebet“ keinen Platz. Und – wen wundert es – Jäger*innen sind überdurchschnittlich oft Akteur*innen in Konzernen, der Politik und Landwirtschaft, da die Jagd immer noch hauptsächlich von reichen und mächtigen Menschen (hauptsächlich Männer*, nur sieben Prozent sind Frauen*) betrieben wird, die tief im patriarchialen System verankert sind (So ist z. B. Finanzminister Lindner überzeugter Jäger). Ihre Verquickungen mit zerstörerischen Machenschaften werden immer wieder belegt und zeigen, dass es ihnen eben nicht um den Schutz der Tiere und deren Lebensräume geht sondern darum, ihrem blutigen Hobby zu fröhnen, nämlich Tiere zu ermorden.

Und ja, ich weiß, dass sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten etwas in der Jäger*innenschaft verändert und ökologische, nachhaltige Ansätze zu entdecken sind. Gerade junge Jäger*innen haben oft einen anderen Blick auf die Jagd, als der Alte Herr von der CDU. Es gibt sogar angeblich vegetarische und vegane Jäger*innen. Das ändert aber nichts an der tierbefreierischen Kritik der Jagd: Tiere sind keine austauschbaren Schachfiguren im Zahlenspiel der Waldwirtschaft oder dem Umbau des auszubeutenden Forstes in einen klimawandelresistenten Wald. Sie sind fühlende und leidensfähige Lebewesen, die als Individuen ein Recht auf ein unversehrtes und glückliches Leben haben. Darum lehne ich die Jagd ab.

Geschissen auf das „Gebet des Wildes“. Ich geh in die Natur, wann und wo ich das will und wenn ich den Jäger*innen dabei das „Wild“ vetreibe, hat es sich doppelt gelohnt.

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Tonnenweise Froschschenkel, lachende Schweine und die kollektive Selbsttäuschung in der Werbung für „Tierprodukte“ https://nigra.noblogs.org/post/2023/04/21/tonnenweise-froschschenkel-lachende-schweine-und-die-kollektive-selbsttaeuschung-in-der-werbung-fuer-tierprodukte/ Fri, 21 Apr 2023 17:46:16 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3504 Weiterlesen ]]> In Vittel, einer kleinen Stadt in den Vogesen, also quasi in meiner Nachbar*innenschaft, findet jedes Jahr die sogenannte „foire aux grenouilles“ statt. So auch am kommenden Wochenende. Der „Jahrmarkt der Frösche“ ist aber kein Fest für die Frösche oder zum Thema „Rettet die Frösche“ oder „Heute verkleiden wir uns alle als Frösche, weil das so lustig aussieht“, sondern ein Stadtfest mit Fressmeile, bei der tonnenweise Froschschenkel gegessen werden. Dafür müssen ca. 350.000 Frösche sterben.

Ich kann mich erinnern, dass ich in meiner Kindheit bei Nachbar*innen von Freund*innen hin und wieder ungewohntes Essen serviert bekam: Weinbergschnecken, Gänseleberpastete, Kaviar und eben auch einmal Froschschenkel. Ich fand das interessant und war schon immer neugierig auf neues. Erinnerungen daran, ob und wie sie geschmeckt haben, habe ich keine. Und seither habe ich mich mit dem Thema auch nicht mehr beschäftigt.
Nun habe ich heute morgen im Deutschlandfunk einen Bericht über die „foire aux grenouilles“ , das „größte Froschschenkel-Essen der Welt“ gehört und mich danach allgemein ein bischen in des Thema „Verzehr von Froschschenkeln“ eingelesen: Es ist ein grausiges Treiben aber auch ein Sinnbild dafür, was in unserer Welt grundsätzlich schiefläuft. Das geht von widerlichen (Ess-) Traditionen, zu kurz gedachtem, regionalem Umweltschutz über kulinarischen Kolonialismus, Überlastung empfindlicher Ökosysteme bis hin zu kapitalistischer Verwertungslogik und extremer Grausamkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren.
Ich will hier jetzt gar nicht die Details der komplexen, ökologischen Dimensionen beschreiben. Diese könnt ihr hier nachlesen und nachhören:

Deutschlandfunk: Umweltsünde und Tierleid: Größtes Froschschenkel-Essen der Welt
taz: Haute Cuisine bedroht Speisefrösche: Kein Schenkelklopfer
PDF von Pro Wildlife (englisch): Deadly Dish Role and responsibility of the European Union in the international frogs’ legs trade
PETA: Froschschenkel
Mitwelt: Froschschenkel

Aus veganer und tierbefreierischer Sicht verbietet sich der Konsum von Froschschenkeln natürlich auch und es ist eigentlich unnötig, das zu betonen. Frösche haben wie alle Wirbeltiere ein ausgeprägtes Schmerzempfinden und finden es wahrscheinlich eher ätzend, die Beine bei lebendigem Leib abgetrennt zu bekommen.

Ich will hier aber auf einen anderen Aspekt, über den ich beim Lesen zum Thema „Froschschenkel essen“ wieder mal gestolpert bin, eingehen: Ich nenne ihn mal „Das lachende Tier in der sowieso schon manipulativen Werbung für tierliche Produkte“. Vielleicht gibt es dafür ja schon einen anerkannten Fachbegriff, den ich nicht gefunden habe?
Er begegnet mir bewusst schon seit vielen Jahren und ihr kennt ihn sicher auch: Ihr geht an einer Metzgerei vorbei und und ihr seht auf dem Schaufenster ein lachendes Schwein oder tanzende und grinsende Würste. Ein Tiertransporter fährt an euch vorbei und auf dem Anhänger prangen fröhliche Kühe. Glückliche Hühner preisen ihre eigenen Eier zum Verkauf an. Und genau so wird teilweise auch für Froschschenkel geworben: Die Marke „Miss Froggy“ verkauft ihre tiefgekühlten Froschschenkel in einer Plastikverpackung, auf der ein stilisierter, lachender Frosch zu sehen ist. Das Logo des Restaurants „Grenouilles et Delices“ ist ein grinsender Frosch mit Kochhaube auf dem Kopf. Und die „foire aux grenouilles“ bewirbt ihre Veranstaltung mit Fotos eines Rotaugenfrosches, der so abgebildet ist, dass er für das menschliche Gehirn fröhlich aussieht. Das tun diese Frösche tatsächlich auf vielen Fotos und es scheint ein ähnlicher Effekt wie bei Delfinen zu sein: Sie sehen halt fröhlich aus, weil ihr Mund zu lächeln scheint. Das krasseste Beispiel hab ich vor Jahren in Form einer meterhohen Figur vor einer Dorfmetzgerei gesehen. Ein aufrecht stehendes Schwein, dessen Körper teilweise aus Würsten, Steaks, Speck und Schnitzeln bestand, schwang lachend ein Schlachtermesser gegen sich selbst. Meistens sind die Darstellungen der Tiere cartoonartig, bunt und deswegen sicherlich auch oft Kinder ansprechend.
Eigentlich wissen natürlich alle, dass die Tiere sich nicht über ihren Tod freuen, sich nicht lachend für uns in’s Messer stürzen oder sich freudig die Beine bei lebendigem Leib abschneiden lassen. Sie opfern sich nicht voller Glück für unseren vollen Magen, weil das halt so ihre Bestimmung ist. Im Gegenteil, sie haben ein Interesse daran, weiterzuleben und Leid nicht zu erfahren. Und, tatsächlich, sie können lachen (also zumindest ist das bisher bei 65 Arten nachgewiesen, u.a. bei Primaten, Hunden, Papageien und Hausrindern). Sie tun es aber in ähnlichen Situationen wie wir: Nämlich dann, wenn sie spielen, gut drauf sind und deeskalieren wollen. Und nicht, wenn sie leiden und sterben müssen.

[Hier ein paar Beispiele. Anklicken zum Vergrößern.]

Was ich nicht verstehe, ist die Motivation für diese Art der Werbung. Auf der einen Seite baut die Tierausbeutung u.a. darauf auf, dass Tieren abgesprochen wird, uns ähnlich zu sein. Ein beliebter Vorwurf von Gegner*innen des Veganismus ist, dass wir Tiere vermenschlichen, also an­th­ro­po­mor­phi­sie­ren würden. Aber genau das passiert ja hier zuhauf: Tiere sprechen, tragen Kleidung, lachen, grinsen, benutzen Werkzeug, preisen ihre eigenen Produkte und Körperteile an etc. Dann frage ich mich: Wer soll darauf reinfallen? Im Jahr 2023? Sind die Werbefritzen so doof oder naiv, dass sie sich einen positiven Effekt davon erhoffen? Bin ich so doof oder naiv, weil ich nicht glauben will, dass es wirkt? Ist es ein krampfhafter Versuch, die Realität hinter Tierausbeutung zu verstecken, quasi eine fröhliche Theatermaske, die das Grauen bedeckt? Ist es Tradition? Ist es reiner Zynismus? Trumpesker Ausdruck von „Wir können mit Tieren machen, was wir wollen, auch wenn es noch so krank ist“? Ist es Empathielosigkeit? Ich denke es ist von alldem etwas, aber hauptsächlich kollektive Selbsttäuschung, die in die Ideologie des Karnismus eingebettet ist. In ihr ist tatsächlich jedes Grauen und jede Brutalität aber eben auch jede Absurdität gegenüber nichtmenschlichen Tieren möglich und sie wird akzeptiert. Und das macht es so schwer, jeden Tag gegen diesen Normalzustand anzugehen.

Dennoch ist es wichtig, dass wir solche Praktiken kritisieren und aussprechen, dass kein Tier gerne für uns stirbt und dass die Darstellung von lachenden Tieren, die freudig in’s Schlachtermesser hüpfen, eine Lüge ist. Wir müssen, um mit Melanie Joy zu sprechen, „Zeugnis ablegen, um nicht nur als äußere Beobachter zu handeln, sondern um eine emotionale Verbindung zum inneren Erleben des anderen herzustellen.“¹ So durchbrechen wir die betäubende Normalität des Karnismus.

Until every cage is empty.


¹ aus „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen“ (S. 156)

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Bücher lesen: Veganarchismus – Thesen zum Verhältnis zwischen Veganismus und Anarchismus https://nigra.noblogs.org/post/2023/04/19/buecher-lesen-veganarchismus-thesen-zum-verhaeltnis-zwischen-veganismus-und-anarchismus/ Wed, 19 Apr 2023 09:27:22 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=3498 Weiterlesen ]]> Ganz neu erschienen ist im Verlag Graswurzelrevolution der Essay „Veganarchismus – Thesen zum Verhältnis zwischen Veganismus und Anarchismus“ von Neo C. Auf 75 Seiten setzt sich Neo mit Anarchismus und Veganismus auseinander, zeigt ihre Überschneidungen und plädiert dafür, sich explizit an Anarchist*innen richtend, im Anarchismus, Tiere bzw. Tierbefreiung immer mitzudenken.

Schon 2010 erschien im Verlag Graswurzelrevolution der Sammelband „Das Schlachten beenden!“ und zeigte anhand historischer Texte von z. B. Leo Tolstoi oder Elisée Reclus, dass Anarchismus und Tierbefreiung schon sehr früh von einigen Menschen zusammengedacht wurden. Auch andere Bücher und Texte setzten sich hin und wieder mit beiden Themen auseinander, wurden aber nie so deutlich und auffordernd wie „Veganarchismus“.

Ich hatte in den späten 1980er und frühen 1990er Jahren das Glück, dass ich durch Punk (Crass und Conflict sind hier besonders hervorzuheben), die radikale Umweltbewegung und mein persönliches Umfeld über beide Themen so ziemlich gleichzeitig gestolpert bin und irgendwie konnte ich mir das eine nie ohne das andere vorstellen. Zu naheliegend waren für mich die Parallelen und Herrschaftskritik schloss für mich immer auch die Kritik am Speziesismus mit ein.

Nach einem Vorwort, in dem Neo über Klasse und Haupt- und Nebenwidersprüche schreibt, geht der*die Autor*in erstmal grundsätzlich auf den Begriff des Veganismus ein, ordnet ihn historisch ein und zeigt seine verschiedenen Erscheinungsformen auf. Wie kommt Veganismus in der Tierbewegung (damit ist die Gesamtheit von Tierschützer*innen, Tierrechtler*innen und Tierbefreier*innen gemeint) vor und wie verhalten sich seine Spielarten zu denen der Tierbewegung.

In den folgenden vier Thesen zeigt Neo, dass der heutige Anarchismus im Angesicht seiner historischen, immer noch gültigen Grundprinzipien Herrschafts- und Hierarchielosigkeit, Dezentralität, Freiwilligkeit, Dynamik und Solidarität, der Verwobenheit der Unterdrückungs- und Diskriminierungsmechanismen im Kapitalismus, des Zusammenhangs zwischen der systematischen, normalisierten Gewalt gegen Tiere (Karnismus) und zwischenmenschlicher Gewalt und der Erkenntnis, dass in der Postmoderne mit ihren permanenten (ökologischen) Krisen Anarchismus nicht mehr anthropozentristisch sein kann und darf, mindestens den Veganismus und am besten die Tierbefreiung beinhalten muss.

Zum Schluss geht Neo auf drei hypothetische Argumente von Seiten der Anarchist*innen ein, die mir so oder sehr ähnlich auch schon vorgetragen wurden. Neo setzt sich mit dem Vorwurf der Bevormundung auseinander: Wie ist die Forderung nach einer veganen Lebensweise mit radikaler Freiheit, die der Anarchismus angeblich verspricht, vereinbar? Ist Veganismus ein Luxus-Lifestyle von weißen Mittelstandskiddies, also exklusiv und klassistisch? Und zuguterletzt beantwortet Neo die Frage, ob Veganismus nicht bloße verkürzte Kapitalismuskritik sei à la „Wenn wir nur alle das Richtige kaufen, wird alles gut“. Neo geht empathisch und sachlich auf diese Fragen ein und bringt nachvollziehbare und unaufgeregte Antworten.

Im Fazit fordert der*die Autor*in kritische Leser*innen (also Anarchist*innen, die nach dem Lesen dieses Essays immer noch stur bleiben „Zwinkersmiley“ ) auf, sich mit ihren Einwänden per Email zu melden. Es wäre cool, wenn diese Korrespondenz – so es sie denn geben wird – irgendwie zugänglich gemacht werden würde.

Alles in allem ein sehr lesbarer Band, der Lust macht auf mehr Texte von Neo C. zur Synthese von Anarchismus und Veganismus und Tierbefreiung.

Neo C.

Veganarchismus
Thesen zum Verhältnis zwischen Veganismus und Anarchismus

79 Seiten

ISBN 978-3-939045-48-9

10,90 Euro

Reihe »Auf den Punkt«

[Meine bisherigen Texte mit dem Tag Vegan/Tierrechte/Tierbefreiung findet ihr hier.]

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Über 200 Menschen demonstrieren in Offenburg für die Verkehrwende in der Ortenau und für wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Klimakrise https://nigra.noblogs.org/post/2020/03/08/ueber-200-menschen-demonstrieren-in-offenburg-fuer-die-verkehrwende-in-der-ortenau-und-fuer-wirkungsvolle-massnahmen-gegen-die-klimakrise/ Sun, 08 Mar 2020 13:46:48 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=2847 Weiterlesen ]]> Mit der gestrigen Demonstration startete offiziell die Kampagne „Die Verkehrswende gemeinsam erkämpfen“ des Ortenauer Klimabündnisses. Über 200 Menschen folgten dem Aufruf, zogen durch die Innenstadt und besetzten im Anschluss mindestens zwei Parkplätze.

Der menschengemachte Klimawandel schreitet munter voran, ungachtet dessen, dass er nach wie vor von vielen Menschen, Parteien und Organistionen geleugnet wird. Die durch den ungebremsten, global wütenden Kapitalismus gepushten Ursachen Energiegewinnung, Verbrennungsmotoren, Mobilität, industrielle Landwirtschaft und Herstellung von tierlichen Produkten schenken sich nicht viel und wir müssen an vielen Fronten kämpfen, um die krassesten Auswirkungen der Katastrophe abzumildern. Das Ortenauer Klimabündnis konzentriert sich im Moment auf die Verkehrswende. In seinem Selbstverständnis schreibt das Bündnis:

Die Klimakrise wirkt sich auf alle Lebensbereiche global aus. Darum müssen wir auch überall mitanpacken und gegen die bestehenden zerstörerischen Verhältnisse und für eine ökologische, bedarfsorientierte und solidarische Weltgemeinschaft kämpfen.
Weltweit kämpfen Menschen gegen die industrialisierte Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und Massentierhaltungen, gegen Kohleabbau, Erdöl- und Gasgewinnung, Flächenversiegelung und vieles mehr.
Wir sehen uns als Teil dieser wachsenden Bewegung.

Unser derzeitiger Fokus liegt in der Verkehrswende. Die Abkehr von der erdölbasierten, individualisierten Mobilität hin zu einer klimaneutralen, kollektiven ist eine der zentralen Forderungen der weltweiten Klimabewegung und ihr fühlen wir uns hier, in der Ortenau, verbunden, auch weil wir hier gute Voraussetzungen sehen, dieses Ziel zu erreichen.
Damit wir alle uns klimafreundlich bewegen können, müssen wir gemeinsam dafür eine Infrastruktur erkämpfen, die das ermöglicht: Wir brauchen sichere Fahrradwege, mindestens autofreie Innenstädte und einen besseren, attraktiveren und kostengünstigen ÖPNV.

Mit der Kampagne „Die Verkehrswende gemeinsam erkämpfen“ will das Bündnis genau das erreichen. Neben vielen kleineren Aktionen im Vorfeld (Infostände, Info-Fahrten im lokalen ÖPNV, Petition, Anschreiben der Kreisrät*innen, Parkplatzbesetzungen) sollte zum Jahresanfang mit der zentralen Demo in Offenburg ein lauter Aufruf an die Ortenauer Bevölkerung geschickt werden.

Rechtzeitig zum Start der Demo am ZOB kam die Sonne raus und der bunte Zug setzte sich nach der Auftaktkundgebung mit Live-Musik und einer Rede von alarm Offenburg in Richtung Innenstadt in Bewegung. Vorneweg gingen Aktivist*innen mit Gehzeugen. Ein Gehzeug ist ein Holzrahmen, der von einer Person mit Hilfe von Gurten getragen wird. Sie nimmt so ungefähr den Raum eines PKWs ein und zeigt, wie viel Platz so eine Blechkiste, die oft nur von einem Menschen gefahren wird, braucht. Mit vielen Transparenten, Schildern, verschiedenen Fahrrad-Arten, Flyern, Parolen und Lautsprecherdurchsagen wurde die Forderung nach einer klimaneutralen Mobilität und der dazugehörenden Infrastruktur deutlich gemacht. In zwei Redebeiträgen machten die BI Rückenwind und die Linke Liste Ortenau/Linksjugend deutlich, was genau die unmöglichen Zustände, die Kritik, die Forderungen und mögliche Lösungsansätze sind.

Die Demo ging weiter und endete nach einer langen Runde durch oft menschenleere Straßen (das muss nächstes Mal besser werden…) auf dem Parkplatz am Technischen Gymnasium, wo nach einem Redebeitrag des BUND die freien Parkplätze mit Liegestühlen und Decken von Aktivist*innen besetzt wurden. Ein weitere Gruppe machte sich auf zum Parkplatz am selbstverwalteten städtischen Jugendzentrum Kessel und besetzte dort, begleitet von schlechter 80er-Jahre-Mucke, Pizza, veganen Muffins, Kaffee und Bier, die Einfahrt, so dass zwar Autos den Parkplatz verlassen aber nicht befahren konnten.

Die Demo war ein gelungener Auftakt der Kampagne. Viele weitere Aktionen sollen folgen. Die nächste größere wird am 28. März ein großese Straßenfest vor dem Bahnhof sein.
Infos zum Bündnis und zu weiteren Terminen findet ihr auf dem Blog klimabuendnis.noblogs.org.

Gemeinsam die Verkehrswende erkämpfen!
Die Klimakatastrophe stoppen!
Kapitalismus überwinden!

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Soli-Brunch für die Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag im April in Offenburg https://nigra.noblogs.org/post/2020/02/29/soli-brunch-fuer-die-proteste-gegen-den-afd-bundesparteitag-im-april-in-offenburg/ Sat, 29 Feb 2020 12:20:26 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=2837 Weiterlesen ]]> [alarm Offenburg lädt morgen zu einem veganen Soli-Brunch für die Proteste gegen den AfD-Bundesparteitag im April in Offenburg ins R12 ein.]

Veganer Solibrunch im R12 am Sonntag, den 01.03.2020

Am 25. & 26. April 2020 findet der Bundesparteitag der AfD in Offenburg statt. Ein breites Bündnis plant die Proteste gegen das Treffen der AfD.
Wir von alarm e.V. unterstützen den Aufruf der Kampagne AfD-Stoppen.

Die Mobilisierung gegen den Parteitag kostet Geld und wir wollen mit einem Solibrunch die Kampagne etwas unterstützen. Also kommt vorbei, bringt leckere vegane Speisen mit und spendet, was euch möglich ist. Ab 10.30 Uhr freuen wir uns über Hilfe beim Aufbauen und ab 11 Uhr könnt ihr vegane Köstlichkeiten genießen und gemeinsam Pläne schmieden, wie ihr der AfD Ende April auf die Nerven gehen wollt.

Antifaschistisch und solidarisch

Eure Alarmies

 

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System Change, not Climate Change? Die befreite Gesellschaft und die kommende Klimakatastrophe. https://nigra.noblogs.org/post/2020/01/20/system-change-not-climate-change-die-befreite-gesellschaft-und-die-kommende-klimakatastrophe/ Mon, 20 Jan 2020 18:10:42 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=2816 Weiterlesen ]]> [Dieser Text von mir erscheint auch in der aktuellen Ausgabe der Gaidao.]

Es sieht düster aus. Egal wo wir hinschauen. An allen Ecken und Enden dieser Erde türmen sich die scheinbar unlösbaren Probleme auf. Berge, ja Gebirge von Problemen, von denen jedes einzelne schon reichen würde, uns die Hoffnung zu rauben: Kriege, Überwachung, Polizeigesetze, Armut, Rechtsruck, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus. Bitte packt eure dazu, Auswahl gibt es genug.

Und über all dem thront die menschengemachte Klimakatastrophe. Sie ist so apokalyptisch, so dermaßen allumfassend, dass mir alle anderen Widrigkeiten wie ein Jucken an meiner linken Arschbacke vorkommen. Eine befreite, anarchistische Gesellschaft aufbauen? Wir haben grad echt Wichtigeres zu tun…oder?

Links der Gaisbergferner, rechts der Rotmoosferner im Ötztal. Mensch kann ihnen beim Schmelzen zusehen. Foto: nigra

Die kommende Klimakatastrophe hat so viele Aspekte und Facetten und alle Lebensbereiche der Menschen, Tiere und Pflanzen werden massiv betroffen sein. Es fällt schwer, den Überblick zu behalten und das Wesentliche ins Auge zu fassen. Die rasend schnelle Veränderung des Weltklimas zeigt einmal mehr deutlich, wie alles mit allem zusammenhängt und voneinander abhängig ist. Welche Kämpfe sind in dieser Zeit die richtigen? Welche Bewegung sollten wir unterstützen? Welche Forderungen sind auch die unseren? Wie bringen wir uns als Anarchist*innen in die Kämpfe ein, ohne daran kaputt zu gehen? Macht es dabei Sinn, auf unseren anarchistischen Grundsätzen zu bestehen?

Ich versuche mit diesem Text meine eigenen wirren Gedanken zu dem Ungetüm Klimakastrophe und den damit für mich zusammenhängenden Ursachen und Folgen zu ordnen. Ich halte es für geboten, dass wir als Anarchist*innen uns mit der kommenden Klimakatastrophe intensiv beschäftigen, uns in die Kämpfe gegen sie einbringen und unseren reichen Fundus an Methoden anbieten.


Die Zeit rennt uns davon

In meiner Jugend in den späten 1980er und 1990er Jahren war ich u. A. in der Umweltbewegung aktiv. Wir kämpften gegen Atomkraft, Sondermüllverbrennung, den immer mehr aufkommenden Verpackungswahn und die damit einhergehenden wachsenden Müllberge, Tierversuche, die Pelzindustrie, die Regenwaldabholzung und den damit zusammenhängenden Treibhauseffekt. Den Begriff Klimawandel oder gar Klimakatastrophe kannten oder benutzten wir nicht, gemeint war aber das Gleiche. Ich erinnere mich daran, dass wir die Auswirkungen des Treibhauseffektes theoretisch diskutierten aber davon überzeugt waren, dass die krassen Folgen erst unsere späten Nachfahren erleben würden – oder eben nicht, weil wir genauso davon überzeugt waren, dass wir eine befreite Gesellschaft aufbauen würden, in der Umweltzerstörung keinen Platz haben würde.

Tja, damit lagen wir krass daneben. Weder haben wir in den letzten 30 Jahren eine anarchistische Gesellschaft aufgebaut (Ich war mir sicher, dass ich das erleben würde. Naja, ein bisschen Zeit bleibt mir ja noch…), noch bleiben wir selbst von der Klimakatastrophe verschont. Vielleicht treffen uns, die wir heute mittelalte Menschen in Mitteleuropa sind, nicht die richtig fiesen Katastrophen, aber wir erleben schon jetzt erste Folgen der Erderwärmung weltweit: Gletscherschmelze in allen Hochgebirgen, Eisschmelze an den Polen, Wetterextreme in unterschiedlichen Ausformungen wie Starkregen, Trockenheit, Versteppung, Dürre, Waldbrände, Orkane, Missernten, Artensterben, Ansteigen des Meeresspiegels und erste Fluchtbewegungen aufgrund all des vorher genannten.

Scheinbar leben wir in diesen Jahren genau in der Zeit, in der es der Menschheit noch möglich ist, die allerschlimmsten Auswirkungen aufzuhalten oder zumindest abzuschwächen. Welch Ehre oder besser welche Bürde: Wir dürfen die Welt retten! Aber: Reicht uns die Zeit dazu? Seit 1824 ist der Treibhauseffekt bekannt¹, seit Jahrzehnten gibt es internationale, staatliche Konferenzen, die sich zum Ziel setzen, den Klimawandel aufzuhalten und mindestens genauso lange gibt es weltweite außerparlamentarische, soziale Bewegungen und Kämpfe, die Forderungen aufstellen und Alternativen vorstellen und vorleben. Weder die staatlichen noch die graswurzlerischen Bemühungen haben grundlegend etwas bewirkt. Wie sollen wir das Ruder in der uns verbleibenden Zeit rumreißen, wenn uns das in den letzten 195 Jahren nicht gelungen ist? Ich glaube, dass uns das nur als Menschheit mit allen Ecken und Kanten gelingen wird. Weder können das die Regierungen allein, die willigen Konzerne noch die weltweite Klimabewegung, geschweige denn unsere kleine anarchistische Bewegung. Wir alle zusammen müssen es tun. Und zwar jetzt.


Ursachen
ranking?

„[…] Die Klimakrise lässt sich nur noch durch eine radikale Verkehrswende aufhalten! […]“ schrieb das Bündnis Sand im Getriebe in einer Pressemitteilung vom 15.09.2019 zur Blockade der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main². Lassen wir mal hinten angestellt die Frage, ob sich die Klimakrise überhaupt noch aufhalten lässt und fragen uns, warum das nur „durch eine radikale Verkehrswende“ möglich sein soll. Weil der weltweite auf der Verbrennung von Erdöl basierende Verkehr die einzige Ursache für die Erderwärmung ist? Oder vielleicht zumindest die mit Abstand größte?3

Foto: Holger Ellgaard, Quelle: commons.wikimedia.org, Lizenz (CC BY-SA 4.0)

Direkt verantwortlich für den Treibhauseffekt und somit für die Erderwärmung und somit für die Klimakatastrophe sind hauptsächlich Kohlendioxid (aka CO2), Methan (aka Kuhfürze), Distickstoffoxid (aka Lachgas, entsteht z. B. bei der Düngemittelproduktion) und fluorierte Gase (aka Kühlmittel, Treibgas, Treibmittel)4. Alle diese Gase kommen schon immer in der Atmosphäre vor. Erst durch die beginnende Industrialisierung im 18. Jahrhundert wurden sie durch den Menschen künstlich freigesetzt und produziert und zwar in solchen Mengen, dass Folgen für das Klima nicht ausbleiben konnten.

Die Gase werden in ganz unterschiedlichen Mengen freigesetzt: An erster Stelle steht Kohlendioxid, das hauptsächlich durch die Verbrennung von Erdöl, Kohle und Holz freigesetzt wird. Methan, Lachgas und fluorierte Gase werden zwar in weitaus geringeren Mengen in die Atmosphäre geblasen, sind aber um ein Vielfaches klimawirksamer als Kohlendioxid. Methan ist um das 21-fache, Lachgas um das 310-fache und fluorierte Gase bis um das 11.700-fache schädlicher5.

Die globalisierte, hypermobile Weltgesellschaft und ihre Wirtschaft setzen diese Gase in mannigfaltiger Art und Weise frei: Wir verbrennen Erdöl und seine Produkte Benzin, Diesel und Kerosin und Erdgas in Motoren, um uns selbst und Waren zu transportieren, sei es zu Land, zu Wasser oder in der Luft. Wir verbrennen Erdöl, Erdgas und diverse Kohlearten in Kraftwerken, um Strom für unsere Fabriken, Häuser und unzählige Geräte zu gewinnen und unsere Wohnräume und unser Brauchwasser wohlig warm zu heizen. Wir roden Ur-, Mangroven und Regenwälder und legen Moore trocken, um Weideflächen für Rinder, Anbauflächen für das Futter für diese Rinder zu gewinnen und Palmölplantagen anzulegen. Hier haben wir dann gleich mal eine ganze Kette von Ursachen: 1. Kohlendioxid-Ausstoß durch Brandrodung, 2. fehlende Kohlendioxid-Speicherung durch fehlende Wälder und Moore. Und wo geht das Kohlendioxid hin? Genau, in die Atmosphäre. 3. Methan-Ausstoß durch Massentierhaltung, 4. Lachgas-Ausstoß durch die Düngung der Futtermittelfelder. 5. Kohlendioxid-Ausstoß durch das Verbrennen von Palmöl in Kraftwerken und Automotoren, was der weiteren Regenwaldrodung Vorschub leistet.

Wenn wir nun Sand im Getriebe folgen und uns auf die Verkehrswende konzentrieren, weil nur sie allein uns retten kann, ist das nur die halbe Miete, wenn überhaupt. Nehmen wir aber mal an, dass es uns gelingt, den weltweiten Verkehr auf nichterdölbasierte Energieerzeugung umzukrempeln und unseren Mobilitätswahn generell zu kurieren, bleiben immer noch die Stromerzeugung, die industrielle Landwirtschaft und die Erzeugung von Tierprodukten. Will Sand im Getriebe davon nichts wissen? Ist‘s dann gut und genug mit der Klimarettung? Oder soll‘s dann weitergehen? Oder wäre es nicht besser, die Problematik ganzheitlich zu betrachten? Wie können wir die verschiedenen Ursachen überhaupt voneinander trennen? Und ein Ursachenranking aufstellen? Ich finde gerade hier zeigt sich wunderbar, wie krass verflochten im globalen Kapitalismus alles ist: Die heutige Herstellung von Tierprodukten wie Fleisch, Milch, Eier, Leder wäre ohne den weltumspannenden Warenverkehr, der auf der Verbrennung von fossilen Brennstoffen beruht, gar nicht denkbar. Wie entdröseln wir nun die einzelnen, aber miteinander verfilzten Anteile an der Klimaerwärmung? Und warum sollten wir das tun, wenn wir doch eigentlich wissen, was die Ursache der Ursachen ist? Soll ich‘s schreiben? Ja, im Jahre 2019 darf ich das als Anarchist: Hinter all dem steht der Kapitalismus. Eine Binsenweisheit, klar, aber sie muss immer wieder ausgesprochen werden. Weder E-Bikes noch E-Autos, weder vegane Schnitzel von Rügenwalder Mühle noch der Sojadrink von Alpro und weder unser angelegtes Erspartes bei der Umweltbank werden uns die Klimakatastrophe ersparen. Was bringt es, wenn jede*r von uns mit ihrem*seinem verkackten E-Auto von VW in den Supermarkt fährt, um vegane Convenience-Produkte von einem Molkereikonzern mit „grün“ erwirtschaftetem Geld zu kaufen? Dem Konzern im Kapitalismus ist es scheißegal, was er verkauft. Sein einziges Interesse gilt dem Profit. Womit er ihn erzielt ist zumindest zweitrangig. Profit stellt sich letzten Endes als Wachstum dar, der nur möglich ist, weil vorhandene – endliche – Ressourcen verbraucht werden. Da im Kapitalismus immer Profit gemacht werden muss, darf Wachstum niemals enden. Und das ist die Krux: Wie kann es unendlichen Wachstum in einem begrenzten System geben? Auch der nichtfossile und vegane Kapitalismus würde mittelfristig unsere Lebensgrundlagen zerstören, nachdem er eine Zeit lang mehr schlecht als recht durch den neuen Input funktioniert hat. Er wird einen Weg finden, weil er immer einen Weg findet. Alles zu vereinnahmen ist eines seiner Wesenszüge.


Bewegung!

Spätestens seit die durch Greta Thunberg losgetretene Fridays For Future-Bewegung ist Bewegung in die Klimadebatte gekommen, immer mehr Menschen machen sich Gedanken um ihre Zukunft und die ihrer Kinder und werden aktiv. Sogar viele der von uns so geliebten Parlamentarier*innen erkennen die Bedrohung an und tun ihr Bestes.

Die Menschen von Fridays For Future haben geschafft, was viele vor ihnen nicht hinbekommen haben: Sie haben eine weltweite Bewegung angestoßen, die die Klimakatastrophe aufhalten will. Und zwar aus einem sehr legitimen Grund: Sie wollen u. A. eine lebenswerte Zukunft für sich selbst. Sie bedienen sich dabei durchaus anarchistischer Werkzeuge: Sie kämpfen für ein Ziel dezentral, autonom, partei- und regierungsunabhängig und hierarchiearm. Und sie tun dies alles, indem sie immer wieder Regeln und Gesetze bewusst brechen und zivilen Ungehorsam anwenden. Ich bin mir sicher, dass ihr Erfolg direkt mit all dem zusammenhängt. Warum wohl hatte die von oben diktierte Sammlungsbewegung „Aufstehen“ von Sarah W. kaum Bestand?

Anarch@s auf der Demo Klimawandel stoppen – Kapitalismus abschaffen in Offenburg am 16.03.2019. Foto: nigra

Im Zuge von Fridays For Future gewannen die Klimacamps, die Besetzung im Hambacher Wald und Extinction Rebellion und andere Klimakämpfe an Zulauf und Aufmerksamkeit. Auch diese zeichnen sich nicht gerade durch ihre Gesetzestreue, Konzernliebe und staatstragendes Auftreten aus. Im Gegenteil geben sie sich in ihren direkten Aktionen betont kämpferisch, kapitalismuskritisch und staatsfern. Natürlich sind das nicht alles Anarchist*innen. Das müssen sie auch gar nicht sein, wichtig für uns ist, dass sie anarchoid agieren. Das gibt uns sehr leicht die Möglichkeit, mitzukämpfen und unsere Ideen miteinzubringen. Ich finde nicht, dass wir es uns in dieser Zeit leisten dürfen, auf der reinen Lehre zu bestehen (Das sollten wir eigentlich nie.). Dafür geht es um zu viel. Und dass es um viel geht und dass das den Leuten bewusst ist, zeigt auch der auf fast jeder Aktion zu lesende Slogan „System Change, Not Climate Change!“. Klar, wir könnten unterstellen, dass es halt nur ein cooler Spruch ist und die, die ihn tragen, es gar nicht so radikal meinen. Aber warum sollten wir das tun? Ich gehe lieber davon aus, dass sie genau wissen, was sie damit fordern. Nämlich die Abkehr vom Kapitalismus.
Das Gute ist, dass ich in vielen Städten sehe, dass organisierte Anarchist*innen sich in die Klimabewegung einbringen6.


Lösungsvorschläge und Taten aus allen Richtungen

Immer wieder können wir lesen und hören, dass wir nur richtig konsumieren müssen, um die Klimakatastrophe aufzuhalten: Kauft euch ein E-Bike! Esst veganen Käse! Trinkt Öko-Bier! Tragt Hosen aus Bio-Baumwolle! Benutzt Kondome aus Natur-Kautschuk! Telephoniert mit dem Fairphone! Ich selbst tue vieles davon, u. A. weil mein Gewissen mich dazu zwingt. Und wenn wir uns vorstellen, dass wie durch ein Wunder plötzlich alle Menschen so toll wären wie ich (vielleicht wie durch die Anarchie-Bombe in Gerhardt Seyfrieds Comic „Invasion aus dem Alltag“ alle zu Anarchist*innen werden?), dann wäre die Katastrophe abgewendet, oder? Leider ist der Kapitalismus so wunderbar pluralistisch und tolerant, dass er für alle Bedürfnisse, Vorlieben und Macken (die er ja selber hervorgerufen hat…) sorgt und Waren vorhält: Alles wird bedient! Für jede*n ist gesorgt! Er produziert coole Sachen wie Photovoltaik-Paneele. Aber er produziert auch bescheuerte Dinge wie SUVs. Da ist er ganz altruistisch. Außerdem lässt sich so viel besser Geld machen. Er macht es möglich, dass in den letzten Jahren die Anzahl der vegan lebenden Menschen gestiegen ist7, die Fleischproduktion in der gleichen Zeit aber trotzdem zugenommen hat8.

Trotzdem ist es nicht falsch, klimafreundlich und vegan zu konsumieren. Die Synergieeffekte, die durch das ganze Drumherum entstehen, sollten nicht unterschätzt werden: Wenn sich Menschen Gedanken darüber machen, wo ihre Sachen und Nahrungsmittel herkommen, wie, von wem und mit welchen Folgen sie hergestellt werden, wenn sie mit anderen Menschen darüber sprechen, sich weiter informieren, sich Alternativen ausdenken und umsetzen und sich schließlich organisieren, ist das eine gute Sache. Eine Folge davon sind z. B. die überall entstehenden Solidarischen Landwirtschaften. Sie und andere ökologische Projekte könnten Teil der kommenden Transformation sein.

Immer wieder werden neue Technologien und Technik-Gimmicks entwickelt, die im Kampf gegen den Klimawandel hilfreich sein sollen. Das reicht von der KlimaTellerApp über in der Atmosphäre Chemikalien versprühende Raketen bis hin zur Verpressung von Kohlendioxid ins Erdreich und Weltraumspiegeln, die die Sonnenstrahlen von der Erde fern halten sollen. Viele dieser Produkte und Ideen sind reiner Schwachsinn, z. B. weil sie auf einem Weiter-So basieren, technologiegläubig sind und der Idee des grünen Kapitalismus Vorschub leisten. Andere wiederum können durchaus dazu beitragen, die Erderwärmung aufzuhalten und tun es schon. So ist es natürlich sinnvoll, dass wir unsere komplette Energiegewinnung auf erneuerbare Energien umstellen: Photovoltaik, Solar, Windräder, Wasserkraft. Aber ist es sinnvoll, dass wir weiterhin hypermobil in der Weltgeschichte herumreisen, jede*r in seinem*ihrem eigenen E-Auto? Sollten wir wirklich immer mehr Strom verbrauchen, nur weil es jetzt LED-Leuchtmittel gibt und wir immer mehr dazu tendieren in Single-Wohnungen zu leben?

Von Verboten wollen wir Anarchist*innen eher wenig wissen. Eine unserer Prämissen aus sozialer Perspektive lautet „Es ist verboten zu verbieten“. Auch die Wirtschaft und ihr angeschlossene Parteien finden Verbote und Vorschriften – aber aus anderen Gründen – doof. Denn sie würden den Wettbewerb verzerren, Arbeitsplätze gefährden und verhindern, dass der freie Markt das Klima von selbst rettet. Denn das würde er tun, wenn wir ihn nur machen lassen würden. Dass der freie Markt (Deckname des Kapitalismus) nie etwas für alle Menschen zum Guten regelt, können wir jeden Tag, seit es ihn gibt, beobachten. Warum sollte er dann die Klimakatastrophe verhindern? Also: Nur her mit den Verboten und Vorschriften: Von mir aus kann jeder Tag Veggie-Tag sein, Kohleverstromung komplett verboten werden u.v.m. Und jede Zuwiderhandlung mit Milliarden Euro an Strafen geahndet werden. Der bürgerliche Rechtsstaat besteht förmlich aus Verboten. Da kann es ruhig auch mal ein paar sinnvolle geben.

Obwohl die USA als weltweit zweitgrößter Produzent von klimawirksamen Gasen agiert9, sind sie nun endgültig aus dem Pariser Kimaabkommen ausgetreten. Das ist – auch wenn die Klimaabkommen bisher nicht viel gebracht haben, ein fatales Signal. In den USA selbst ist der Austritt hochumstritten und viele Bundesstaaten, Städte und Gemeinden wollen am Zwei-Grad-Ziel festhalten und arbeiten munter weiter am technologischen und gesellschaftlichen Umbau. Sie kümmert recht wenig, was ihr oberster White Supremacist sagt. Weltweit gibt es immer mehr Städte, die den Klimanotstand ausrufen, sich in Bündnissen zusammenschließen und parallel dazu daran arbeiten, ihre Infrastruktur klimafreundlicher zu gestalten.

Schon seit Jahren betreiben Konzerne das sogenannte Greenwashing: Sie geben sich ein umweltbewusstes, ökologisches Image. Eine der einfachsten Methoden ist hier die Farbe Grün im Firmenlogo und der Werbung zu verwenden. Wir sind alle darauf getrimmt, dass grün Natur und umweltfreundlich bedeutet. Eine andere Methode ist, einfach zu behaupten, dass jetzt umweltverträglicher produziert werde. Aber es gibt auch schlicht und ergreifend, Firmen, die das wirklich versuchen und tun. Sie produzieren z. B. nur noch mit Öko-Strom, filtern ihre Abgase, recyceln ihre Reste und Abfälle, investieren Teile ihres Profits in neue klimafreundliche Technologien. Wenn alle Energiekonzerne auf Erneuerbare umstellen würden (Einige haben schon die Weichen dafür gestellt), würde extrem viel Kohlendioxid eingespart werden. Für mich macht es Sinn, wenn sich Firmen klimaneutral umbauen. Brauchen wir den Kapitalismus, um die Klimakatastrophe aufzuhalten? Müssen wir erstmal den Bock zum Gärtner machen, bevor wir ihn loswerden können? Ich glaube – auch hier wieder der Zeitfaktor – ja.
Langfristig müssen wir den Kapitalismus überwinden und eine herrschaftsfreie Gesellschaft aufbauen. Alles andere ist Nonsens.


Fronten

Wo verlaufen die Fronten im Kampf gegen die Klimakastrophe? Verlaufen sie kreuz und quer? Zwischen Oben und Unten? Zwischen Norden und Süden? Westen und Osten? Arm und Reich? Zwischen Kapitalist*innen und Antikapitalist*innen? Zwischen Staatsfans und Anarchist*innen?

Banner-Drop auf der Abschlusskundgebung des Aktionstages gegen die Neueröffnung der EZB in Frankfurt am Main am 18.03.2015. Foto: nigra

Eine der wichtigsten Fronten verläuft für mich zwischen den Leugner*innen der Klimakatastrophe und denen, die sie anerkennen und etwas dagegen tun wollen. Die Leugner*innen sind praktischerweise fast deckungsgleich mit den Arschlöchern, die wir sowieso schon immer bekämpfen: Rassist*innen (prominentes Beispiel: Donald Trump), Faschist*innen (prominentes Beispiel: Jair Bolsonaro), Rechtspopulist*innen (prominentes Beispiel: Beatrix von Storch), Verschwörungstheorie-Gläubische, Anti-Feminist*innen, Maskulinisten und andere Hohlbirnen. Diese Kongruenz scheint mir ein nicht unbedeutender Hinweis darauf zu sein, dass wir mit vielen Dingen, für die wir kämpfen nicht sooo falsch liegen können, wahrscheinlich sogar schlicht und ergreifend recht haben. Wir schlagen also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir bekämpfen die Feind*innen der Freiheit und die Leugner*innen der Klimakatastrophe. Cool.

Natürlich steht der Kapitalismus auf der anderen Seite der Barrikade. Bei den einzelnen Protagonist*innen des Kapitals bin ich mir nicht so sicher. Natürlich finden sich auch dort viele, die den Klimawandel leugnen und aktiv vorantreiben, aber es finden sich immer mehr, die ihn und ihre eigene Rolle dabei anerkennen und etwas dagegen tun wollen. Wie kann ich z. B. – mit dem Zeitfaktor und der Annahme im Hinterkopf, dass jedes eingesparte Gramm Kohlendioxid gut ist – dagegen sein, wenn ein Energiekonzern von fossiler auf erneuerbare Energiegewinnung umsteigt? Der arme Konzernchef hat im Hier und Jetzt gar keine andere Möglichkeit: Er spielt nach den Regeln des Spiels und versucht Gutes damit zu tun. Ich würde diesen Menschen im Kontext des Kampfes gegen die Klimakatastrophe nicht als Gegner ansehen wollen. Enteignen würde ich ihn im Zuge der sozialen Weltrevolution trotzdem.

Die Front verläuft für mich also im Hier und Jetzt, in diesem kleinen Zeitfenster, das uns bleibt, um das Zwei-Grad-Ziel10 zu erreichen, zwischen denen, die etwas gegen die Klimakatstrophe tun wollen und jenen, die das kalt lässt. Darum müssen wir Bündnisse auch mit Menschen und Gruppen eingehen, die keine Anarchist*innen sind. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel erreicht haben, geht‘s all den anderen Zuständen an den Kragen, die uns daran hindern, ein gutes Leben für alle zu erkämpfen.


Apokalypse vs Utopia

„Wir werden nicht durchkommen, nicht wahr? Wir Menschen, meine ich.“
„Es liegt in eurer Natur, euch selbst zu zerstören.“
„Ja. Megaätzend.“11

Fernsehserien und Kinofilme schwelgen in apokalyptischen Szenarien: In gefühlt jeder zweiten Produktion geht die Menschheit oder gleich die ganze Erde unter im Strudel einer Zombieapokalypse, eines Angriffs von Außerirdischen oder der Folgen eines aus dem Ruder gelaufenen technologischen Experiments. Die wenigen Überlebenden sind dann meist damit beschäftigt, sich gegenseitig umzubringen, faschistoide Mini-Gesellschaften aufzubauen oder das eine rettende Wunder-Gadget zu finden, das alles wieder rückgängig machen und der Menschheit eine zweite Chance geben kann. Ich kann diesen Eskapismus gut nachvollziehen und mochte postapokalyptische Filme schon immer. Es ist herrlich in diesen Fantasien zu schwelgen, wohnt ihnen doch immer auch die Chance auf einen Neuanfang inne. Ein Neuanfang ohne die ganze Scheiße.

Gemeinsam auf dem SoLaWi-Acker zu arbeiten, motiviert ungemein – auch zu andere Dingen. Foto: nigra

Doch nun steht die Apokalypse in echt vor der Tür und viele Menschen verschließen vor ihr die Augen und flüchten sich in gespielte Weltuntergänge. Ist der echte zu grauenhaft? Warum treibt das vorhandene Wissen die Menschen nicht zu hunderten von Millionen auf die Straßen der Welt? Sind sie gelähmt vor Entsetzen? Was macht das Wissen um einen möglichen, ja wahrscheinlichen Weltuntergang psychologisch gesehen mit uns Menschen?

Der Klimawandel und all seine Aspekte haben schon jetzt messbare, negative Auswirkungen auf die Psyche vieler Menschen. Direkt Betroffene von z. B. Überflutungen oder der Eisschmelze reagieren mit Angsterkrankungen, Traumata, Suchterkrankungen und Selbsttötungen. Im englischsprachigen Raum bezeichnet der Begriff Solastalgia den Schmerz darüber, dass ein geliebter Ort bedroht ist.12 Wenn ich also z. B. weiß, dass meine über alles geliebten Alpen durch die Eisschmelze in naher Zukunft vielleicht nur noch zusammenbrechende Steinhaufen sein werden, erschüttert mich das in meinem tiefsten Inneren. Die weiteren, subtileren Folgen dieser existenziellen Neurose lassen sich nur erahnen und werden von Psychtherapeut*innen immer häufiger thematisiert.13

Der Autor Jonathan Safran Foer vermutet in seinem neuen Buch „Wir sind das Klima!“14, dass die meisten Menschen zwar um die kommende Klimakastrophe wissen, aber nicht an sie glauben.15 Er schreibt, dass Wissen immer auch mit Gefühlen verknüpft werden müsse. Erst dann komme es zum Handeln. Und nur das Handeln ist das, was zählt. Ich weiß nicht, ob ich diese These teilen kann. Warum sollten bei den Menschen keine Gefühle aufkommen, wenn sie an diese düstere Zukunft denken? Warum sollten Eltern sich nicht um die Leben ihrer Kleinen sorgen? Menschen in der Tretmühle des Kapitalismus neigen dazu, Missstände zwar zu erkennen, sie aber zu verdrängen, sich an sie zu gewöhnen, sich nach der Lohnarbeit von was auch immer berieseln zu lassen, schließlich muss morgen wieder malocht werden. Das spielt meiner Meinung nach auch hier eine große Rolle. Nicht umsonst werden soziale Bewegungen oft von eher jungen Menschen (Schüler*innen, Student*innen) getragen: Sie haben Zeit und Nerv, sich zu kümmern. Sie haben Bock auf Utopie, wollen Neues erschaffen und das Alte (und die Alten) hinter sich lassen. Und Utopien sind genau das, was wir brauchen. Wir müssen uns gemeinsam Gedanken darüber machen, in was für einer Zukunft wir leben wollen. Wir dürfen uns nicht von der Düsternis bremsen lassen. Sich zu organisieren, sich mit den Problemen bewusst, gemeinsam und offen auseinanderzusetzen, schafft Resilienzen, gibt Hoffnung, eröffnet Auswege, zeigt Lösungen und macht stark. Gerade wir als Anarchist*innen haben viele Ideen und Vorstellungen, wie eine herrschaftsfreie, bedarfsorientierte und ökologische Gesellschaft aussehen kann. Und genau diese drei Prämissen müssen in einer zukünftigen Gesellschaft erfüllt sein, damit wir nicht bald wieder in einer ähnlichen Situation sind. Staaten, ihre herrschenden Regierungen und der Zustand des Regiert-Seins, der ständig Wachstum generierende Kapitalismus und das Scheißen auf die Ökosysteme haben uns in die Situation gebracht, in der wir uns jetzt befinden. Es wäre total dämlich, wenn wir zwar alle gemeinsam die ärgsten Auswirkungen der Klimakastrophe aufhalten, dann aber so weiter machen, wie bisher. Wir sollten aus den so offensichtlichen Fehlern lernen.


Ausblicke

Ein Genosse von mir, der seit vielen Jahren zum Thema Klimawandel arbeitet, sagte auf einem seiner Vorträge, dass er davon überzeugt sei, dass die Menschheit durch einen Flaschenhals gehen werden müsse. Mit anderen Worten: Er denkt, dass ein Großteil der sieben Milliarden Menschen auf der Erde durch die Klimakatastrophe umkommen wird. Damit steht er nicht allein da. Viele Menschen, die sich beruflich mit dem Thema beschäftigen, die seit Jahren in der Umweltbewegung aktiv sind oder sich einfach tief in die vielen Publikationen dazu eingelesen haben, gehen davon aus, dass das Ganze richtig schlimm werden wird.16 Nun ist die Menschheitsgeschichte ja nicht gerade arm an Katastrophen: Unzählige Kriege haben Millionen Opfer gefordert und wüteten schon zwei Mal auf fast der ganzen Erde. Bei Hungerkatastrophen sterben immer wieder hunderttausende. Der Kalte Krieg brachte die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Die Supergaue von Tschernobyl und Fukushima strahlen noch heute vor sich hin. Diese Katastrophen waren und sind für sich genommen schlimme Ereignisse, die viel Leid verursacht haben. Aber: Sie waren begrenzt auf einen Zeitraum und meist auch auf ein Gebiet. Die kommende Klimakastrophe wird das nicht sein. Sie wird global und allumfassend sein. Sie wird alles betreffen, was uns als Menschen ausmacht. Sie hat das Potenzial, alle positiven, emanzipatorischen gesellschaftlichen Errungenschaften zunichte zu machen.

Die gefürchtete A-Bombe aus Gerhard Seyfrieds Comic Invasion aus dem Alltag

Was können wir als marginale anarchistische Bewegung tun? Wenn das Ganze wirklich apokalyptische Ausmaße annimmt, wie können wir da hoffen, dass wir das überleben werden? Es liegt nicht wirklich in unserer „Natur“ über Leichen zu gehen. Andere sind da nicht so zimperlich, viel besser ausgerüstet und aufgestellt als wir. Was wir tun können, ist – abgesehen davon, uns an der Klimabewegung zu beteiligen – , uns vorzubereiten, Netzwerke zu bilden, Skills zu erwerben und uns in Projekte einzubringen, die im Hier und Jetzt schon an Alternativen arbeiten (hier halte ich die schon erwähnten SoLaWis für besonders sinnvoll). Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen preppermäßig an, aber was sollte daran falsch sein, sich auf kommende Zustände adäquat vorzubereiten? Waldbäuer*innen z. B. sind jetzt schon dabei, Baumarten zu pflanzen, die mit den zu erwartenden Wetterveränderungen besser zurecht kommen als die einheimischen Monokulturen. Die Energiewirtschaft stellt sich seit Jahren langsam auf erneuerbare Energiequellen um (auch hier waren es graswurzelbewegte Menschen, die mit EWS vorangingen17). In unserer SoLaWi werden unterschiedliche Gemüsesorten angebaut, um herauszufinden, welche auf welche Art und Weise in den jetzt schon spürbaren Klimaveränderungen, am besten wachsen.

Wir können uns der scheinbaren Ausweglosigkeit der Situation ergeben und aufgeben oder uns – wie wir es schon immer tun – mit unseren revolutionären Ideen, Methoden, Erfahrungen und Werkzeugen in die verschiedenen Bewegungen einbringen. Meine Erfahrung ist, dass die meisten engagierten Menschen gar nicht so weit weg von unseren Inhalten sind. Wenn wir gemeinsam mit allen (jede*r sucht sich da seine Bundesgenoss*innen selber aus), die die Klimakatstrophe abwenden wollen, zusammenarbeiten, erfahren alle Beteiligten wieder Selbstwirksamkeit, Mut und Hoffnung. Ich bin mir sicher, dass wir es gemeinsam schaffen werden, die schlimmsten Folgen der Erderwärmung aufzuhalten. Wenn das erst mal geschafft ist, erwachsen aus dieser Erfahrung – „Wir saßen alle im selben Boot und haben es gemeinsam geschafft!“ – neue Kräfte und Ideen, wie es weiter gehen kann. Den Kapitalismus und die Herrschaft von Menschen über Menschen zu überwinden, dürften die übernächsten Schritte sein. Immer mehr Menschen erkennen das.

Das alles muss kaputt, das alles muss weg…verbreitet Hoffnung wie eine Krankheit, macht euch Mut und steckt euch gegenseitig an!“18

Endnoten

¹ Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhauseffekt
² PDF: https://sand-im-getriebe.mobi/wp-content/uploads/2019/09/190915-PM-4-Abschluss_final.pdf. Ich pflücke dieses Beispiel nicht heraus, weil ich die Aktionen von Sand im Getriebe falsch finde. Im Gegenteil finde ich sie richtig und wichtig. Mir gefällt nur die Fokussierung auf eine Ursache nicht, ja ich halte sie für falsch.
³ siehe z. B. hier: https://www.vegan.at/inhalt/klimawandel-tierisch-gut?
4 siehe z. B. hier: https://ec.europa.eu/clima/change/causes_de
5 Greenpeace: https://www.greenpeace.de/themen/klimawandel/welche-treibhausgase-verursachen-die-erderw%C3%A4rmung
6 siehe z. B. den Artikel Unser Fazit der Aktion #LeipzigerAutofrei am 21.09. in der Gaidao 105.
7 ProVeg international: https://proveg.com/de/pflanzlicher-lebensstil/vegan-trend-zahlen-und-fakten-zum-veggie-markt/
8 Weltagrarbericht: https://www.weltagrarbericht.de/aktuelles/nachrichten/news/de/33467.html
9 siehe z. B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Kohlenstoffdioxidemittenten
10 siehe z. B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei-Grad-Ziel
11 Wer herausfindet, woher dieses Zitat stammt, gewinnt was schönes! Meldet euch bei nigra@riseup.net. Meinen öffentlichen Schlüssel und den dazugehörigen Fingerabdruck findet ihr hier: nigra.noblogs.org/kontakt/.
12 siehe z. B. hier: https://www.klimafakten.de/meldung/klimawandel-essen-seele-auf
13 siehe z. B. hier: https://www.psychotherapeutenjournal.de/blaetterkatalog/PTJ-3-2019/23/index.html#zoom=z
14 Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können: https://www.kiwi-verlag.de/buch/wir-sind-das-klima/978-3-462-32021-3/
15 taz: https://taz.de/Die-Erderhitzung-und-wir/!5628235&s=Jonathan+Safran+Foer/
16 siehe hierzu z. B. das Buch Desert von Anonymus, erschienen bei Unrast 2016: https://unrast-verlag.de/neuerscheinungen/desert-detail
17 EWS: https://www.ews-schoenau.de/ews/geschichte/
18 Früchte des Zorns: Steckt euch gegenseitig an http://www.fruechtedeszorns.net/musik/fof/Fruechte_des_Zorns-fallen_oder_fliegen-02-Steckt_euch_gegenseitig_an.mp3

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Straßenfest und Fahrraddemo forderten „Klimawandel stoppen! Verkehrswende jetzt!“ https://nigra.noblogs.org/post/2019/05/06/strassenfest-und-fahrraddemo-forderten-klimawandel-stoppen-verkehrswende-jetzt/ Mon, 06 May 2019 16:30:27 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=2483 Weiterlesen ]]> Nur wenige Menschen fanden am vergangenen Samstag den Weg auf das Straßenfest „Klimawandel Stoppen! Verkehrswende jetzt!“ in der Lange Straße in Offenburg: Dem Dauerregen gehörten die Straßen…

Fand am 16.03.2019 schon die „Klimademo für eine lebenswerte Ortenau“ statt, sollte das Straßenfest die Forderungen konkretisieren und zeigen, was es heißen könnte, wenn die Straßen den Menschen und nicht den Autos gehören, wenn wir wieder frei atmen und uns frei bewegen könnten.

Bei ausdauerndem Regen – mal nieselnd, mal prasselnd, , mal platschend, mal graupelnd, mal senkrecht, mal waagerecht – bauten Fridays For Future (hxxps://www.facebook.com/pages/category/Political-Organization/FridaysforFuture-Offenburg-545870855930240/), der ADFC, LiLO, alarm Offenburg, der NABU, SoLaVie ihre Essens- und Infostände auf. Die von Anlieger*innen gerufenen Bullen waren etwas ratlos, wussten sie doch scheinbar nichts von dem beim Ordnungsamt angemeldeten und in mehreren Gesprächen geplanten und abgesegneten Fest. Ein paar Anrufe schafften Klarheit und es konnte weiter gehen: Auch wenn die Straße nicht wie versprochen für den Autoverkehr gesperrt war und immer wieder ungeduldige Autofahrer*innen zwischen den Ständen durchmanövrieren mussten, boten die hartgesottenen Feiernden dem Regen die Stirn. Bei LiLO konnte mensch sich mit leckeren, veganen Kuchen, bei SoLaVie mit Bärlauchpestobaguette und bei alarm mit veganen Soli-Burgern für den Hambi sättigen. LiLO informierte über ihre Forderungen für die Kommunalwahlen in drei Wochen. Der Infostand von alarm hatte seinen Schwerpunkt beim Thema Veganismus und Tierbefreiung im Zusammenhang mit der drohenden Klimakatastrophe. Der ADFC sprach mit den Leuten über Radverkehrspolitik und SoLaVie warb für die solidarische Landwirtschaft und ihre ökologischen und gesellschaftlichen Vorteile.
Die Klimarallye von alarm fiel buchstäblich ins Wasser: Nur wenige Menschen wollten durch den Regen stapfen und die versteckten Hinweise suchen, da konnte auch die sehr wechselhafte Musik nicht mehr motivieren.
Als dann alle bis auf die Haut durchnässt waren, das Infomaterial aufgequollen, der Bratlingsteig verdünnt und die 25 Teilnehmer*innen der Fahrraddemo angeschwemmt worden waren, wurde beschlossen, das Fest vorzeitig abzubrechen.

Aber es kann ja nicht immer regnen: Das nächste Straßenfest kommt bestimmt! Reclaim the streets! System change, not climate change!

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Multimediavortrag mit Bernd Langer „Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19“ https://nigra.noblogs.org/post/2019/02/06/multimediavortrag-mit-bernd-langer-die-flamme-der-revolution-deutschland-1918-19/ Wed, 06 Feb 2019 11:43:15 +0000 https://nigra.noblogs.org/?p=2420 Weiterlesen ]]> [alarm Offenburg hat mal wieder den rührigen Antifaschisten, Künstler und Autor Bernd Langer ins R12 eingeladen. Dazu gibt es lecker vegane Vokü! Das wird ein runder Abend.]

[die obige Grafik ist dem Comic Der Matrosenaufstand 1918 in Kiel von Bernd Langer entnommen.]

Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 radikalisieren sich die sozialen Verhältnisse. Weil die SPD den Kriegskurs des Kaiserreiches mitträgt, spaltet sich die Partei und es entsteht die Unabhängige Sozialdemokratie. Auftrieb erhält die Antikriegsstimmung durch die Revolution in Russland 1917. Doch erst mit der militärischen Niederlage bricht das Kaiserreich 1918 zusammen, und ein Matrosenaufstand in Kiel wird zum Auslöser der Novemberrevolution.

Der zunächst friedliche Verlauf ist bald von blutigen Konfrontationen überschattet. Während die radikalen Kräfte die Sozialisierung der Industrie und die Räte-Republik wollen, verteidigen die SPD und andere bürgerliche Parteien die kapitalistischen Besitzverhältnisse mit Hilfe der Freikorps. Im Jahr 1919 entwickelt sich im Deutschen Reich ein Bürgerkrieg, der nicht als solcher in den Geschichtsbüchern verzeichnet ist.

Jene Tage führen zu einer grundlegenden politischen Weichstellung. Denn die weltweite Spaltung in Kommunistische Parteien mit revolutionärem Anspruch einerseits und eine reformistische Sozialdemokratie andererseits sowie die verhängnisvolle Entwicklung am Vorabend des Faschismus sind ohne diese Ereignisse nicht zu begreifen.

Der Autor und Antifaschist Bernd Langer stellt in einem Multimedia-vortrag sein neues Buch „Die Flamme der Revolution: Deutschland 1918/19“ vor.

Vegane VoKü ab 18 Uhr 30 – Beginn des Vortrags 19 Uhr 30

Dienstag, 12.02.2019 im Linken Zentrum R12

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